Mannheim
Compact Memory

Bar Kochba · 1921-04-01 · Heft 19-20 (April 1921) · p. Seite 309

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 19-20 (April 1921)
Date
1921-04-01
Page
Seite 309 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2276426-2276451-2276469--734-2277295
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

geschieht dieses am Ufer des Lee» Genezareth. Lin buntes Bild bietet sich in diesen Tagen dem Auge. Lin Gemisch von Farben und Trachten, Frauen und Mädchen aller Altersstufen. Lin Kufen, Schelten, Schreien in den verschiedensten Iudendialefiten, ein hasten, Laufen, Scheuern von früh bis spät. Pas ist eine böse Zeit für die übrigen Bewohner von Liberias. Deftri der See ist ihnen alles; die Fische zum Brot, das Wasser zum waschen und Trinken, alles liefert er dein Bewohner dieses Städtchens. Und nun ist jede, Schöpfstelle besetzt, in weitem Bogen unwegsam. Und hatder Dürftige sich mühsam zwischen dem Gedränge der Jüdinnen und den Schmutzlachen bis zum Wasser hindurchgezwängt, so wartet.seiner bittere Enttäuschung, vir auf eine Viertelstunde weit schimmert der sonst strahlend blaue Spiegel des Sees in allen Tönen der Farbenskala, und wollte jemand die Augen zudrücken und wagen, den Durst von dieser Flüssigkeit zu stillen, so würde die Nase doch verraten, daß hier alles andere, nur kein Trinkwasser, zu Holen ist. So müssen in dieser Zeit die nicht jüdischen Bewohner, von Liberias, entweder weit, oberhalb der Stadt schöpfen gehen oder über eine Viertelstunde im Boot auf die höhe des Sees fahren, um reines Wasser zu erhalten. Vieser Zustand dauert etwa drei Wochen an. Zur besonderen Vorsicht werden kochtöpse, Wasserkrüge und dergl. für das Fest ganz neu angeschafft. GegeN Sonnenuntergang des I Z.Nissan, des jüdischem Gstermonats, gehen Männer und Knaben Krügen an den See. Die Krüge werden, mit durchgeseihtem Wasser gefüllt, in Reihen ausgestellt. Dann tritt der Rabbiner aus der Menge hervor Und weiht das Wasser unter Gebeten, die alle nachsprechen mit den üblichen Neigungen des Dberkörpers. Aus diesem Wasser werden die drei ungesäuerten vwte gebacken, die nach der Zahl der drei Klassen, Priester. Leviten und Laien, am ersten Abend des Festes gegessen werden müssen. Damit auch Kein Stäub, chen Gesäuerte» im Hause bleibe,. staubt Kurz vor Anbruch des passahabendr der Hausvater noch alle Lcken und Winkel der Hauses ab. Dann legen alle Festtagskleidung an. Den Kopf ziert der Sabbath-Veckel, eine aus zwölf Stücken, nach der Zahl der Stämme, zufümmengenähte Sammetmüke mit Pelzverbrämung. Der von den Sabbathlampen erleuchtete Tisch ist mit allem Notwendigen besetzt. Das Gsterlamm vertritt ein Stück gebratenes Fleisch. Neben ihm finden sich die drei ungesäuerten Brote und der beste rote wein. Die bitteren Kräuter ersetzt arabischer Lattich. Nicht zu vergessen ist ein irdenes Gefäß mit „Lehm" zur Lrinnerung an die Backsteine, welche die Israeliten in Aegypten verfertigen mußten. Während der Hausvater diesen Teil der Festgeschichte liest, nimmt er ein Salatblatt und hüllt darein einen Mund voll von diesem „Lehm", es jedem Tischgenossen darreichend. Ls ist dy§ kein übler Bissen, der „Lehm", er besteht aus gestoßenen Datteln, Nüssen und Mandeln, mit Zucker vermengt. Dann setzen die männlichen Glieder der Familie mit etwa eingeladenen verwandten und Freunden sich zu Tische. Die Frauen und Mädchen sitzen seitab. Der Hausvater spricht den Segen und reicht den ersten Becher wein. Dann liest er die Geschichte de» Auszuges aus Aegypten. Die Kinder fragen ihn, was der Hergang des Mahles zu bedeuten hat, und erhalten Antwort und Erklärung nach den Worten Nloraur. . „Und sie verbitterten ihr Leben durch Frohnarbeit in Lehm ünd Ziegeln - " 309

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.