Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 13 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bi l d e r aus Je r u s a l e m - von 3rma S in y«r. '■ '■ '' ’ I. \ ' ' ■ ' , _ : : (Es ist 5 Uhr nachmittags, die schönste Zeit zum Spazierengehen. Vir treten aus dem haute und gehen einen kleinen Hügel hinauf. Da steht eine arabische Villa. Durch das Gittertor blicken wir in einen herrlichen Garten, in dem Gleatiderbäume blühen und Grantäpfel dunkelrot hervorleuchten. Und ganz im Hintergrund sitzt auf einer Steinbank ein alter Mann mit langem Bart, einem wallenden gelben Seiden- Sewand, über das malerisch schön ein schwarzer Mantel geworfen ist. Auf bem Kopf at er einen roten, mit weißer Seide umwundenen Turban. Und er sitzt still, aus der Erde steht eine Flasche und mittels eines langen Gummischlauches raucht er blaue Völkchen in die heiße, klare Luft. . Nein," denke ich, „das ist ja Harun al Raschid aus 1001 Nacht, der vor seinem geheimnisvollen Schlosse sitzt." Ich gehe weiter. Ein Helles Klingen ertönt und aus der Ferne kommt langsam. und majestätisch eine Karawane von Kamelen. Sie schreiten langsam, mit wiegenden Schritten, mit stolz gebogenen Hälsen und läuten, denn ein jedes von ihnen hat eine Kette aus blauen Glasperlen um den hals, an welcher die Glocke hängt. Und sie wissen, daß ihr Gang elastisch und scbön ist und daß das Läuten ihrer Glocken wie das^ferne^Grüßen^einer^Mutter klingti—Deshalb^machey^sie-immer ein—vornehm-- Hochmütiges Gesicht, wie mein kleiner Freund Martin bemerkt hat. Am Anfang der Karawane geht ein Beduine, ein großer schlanker Mann, schwarzgebrannt, mit schwarzem haar und schwarzen, funkelnden Augen. An ihre haare pflegen die Beduinen noch schwarze falsche Flechten anzubinden, so daß das dunkle Gesicht unter den weißen flatternden Tüchern - der Kafiah - ganz sonderbar und schön ausschaut. Und wenn der Beduine mit einem scharfen „Iälla!" seine Kamele zum Weitergehen anspornt, blitzen seine weißen Zähne zwischen dem Schwarz des Gesichtes. Aber auf dem schönsten Kamel sitzt der Scheich und schaukelt gemächlich hin und her. Seine weiße, seidene Kafiah wird vom winde bewegt und die goldene Stirnschnur baumelt nach den Bewegungen des Kamels. Er schaut in die Feme und denkt an sein Zelt mitten in der Wüste und an seine schwarzen, lockigen Kinder, die barfuß im heißen Sande herumlaufen. Die Straße ist weiß und staubig. An mir vorüber läuft ein kleiner, schwarzköpsiger, barfüßiger Araberjunge, der sich aus zwei Konservenbüchsen und einem Brett einen wagen gemocht hat. vor Freude über das gelungene Werk schreit er und freut sich über, die Vubenschar. die ihm nachrennt. Da erklingt ein Glöcklein und ein Geräusch, wie wenn ein Platzregen niederginge. Aus der Huergasse kommt eine Herde schwarzer Ziegen und Schafe, eine kohlschwarze Herde mit weißen Leithammeln. Und damit sich die einzelnen Hirten ihre Leithammel nicht verwechseln, machen sie ihnen rote oder blaue Kleckse auf den Kücken. Und mitten unter der lockigen Schar geht rin Hirte in gestreiftem Mantel, der läßig über seine Schulter geworfen ist und spielt auf der Schalmei. Um diese Stunde steigen die Hirten Jerusalems von den Bergen und in der Stadt hört man von verschiedenen Seiten die Weichen Töne der Schalmei. Da hört man Hufegetrampel und gleich daraus fliegt ein arabischer Reiter an uns vorbei. Sein Pferd ist weiß wie seine flatternden Tücher und sein Sattel bunt gestickt. Die Guasten seiner vecke fliegen und sein Gewehr blinkt in der Sonne. Der 206