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Bar Kochba · 1921-01-01 · Heft 13 (Januar 1921) · p. Seite 201

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 13 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 201 (sequence 7)
Language
German
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iileinde in Worms hat sich ein vericht erhalten, von dem man nicht bestimmt weih, ob er Wahrheit oder Legende ist. Die Juden von Worms waren der Stabt vom Kaiser, dessen „Kammerknechte" sie waren, geschenkt worden, „also, daß die Stadt und die Bürger zu Worms mit den Juden und der Jüdischkeit mögen tun und lassen, brauchen und büßen als mit ihrem Gut". Als nun der Rat beschlossen hatte, die Juden zu verbrennen, begaben sich, - so erzählt der Bericht. - zwölf ihrer Vorsteher auf das Rathaus, um Gnade zu flehen. Als aber der Rat für ihre Tränen blind und für ihre Litten taub blieb, zogen sie plötzlich Schwerter unter den Röcken hervor und erschlugen den ganzen Rat. Dann eilten sie auf den Friedhof, dort fanden sie den Tod und alle zwölf ein gemeinsames Grab. Sicher ist, daß fast sämtliche Juden in Worms selbst ihre Häuser ansteckten und sich darin verbrannten. Mehr als vierhundert litten so den Feuertod- . Ruf Worms folgten Oppenheim und Frankfurt, Mainz und Köln. In Erfurt, Eisenach und Gotha wurden alle Juden ausgerottet, ebenso in Breslau. In Wien versammelte sich die ganze Gemeinde in der Synagoge und alle töteten sich selbst. In Bayern und Schwaben wurden alle Gemeinden heimgesucht, vor allem München, Augsburg und Würzburg. In Nürnberg heißt noch heute der Platz, auf dem der Scheiterhaufen errichtet wurde „Iudenbühl". Eine einzige rühmliche Ausnahme machte Regensburg, wo der Bürgermeister Bert, hold T goltspecht öffentlich gelobte, die Juden zu beschützen und sein Wort getreu« lich hielt. In Norddeutschland wohnten damals wenig Juden, aber auch von dort haben wir vericht über die gleichen Grausamkeiten, besonders aus Hannover und Magdeburg. Als der schwarze Tod verschwand, nahmen auch die Iudenmetzeleien ab. Aber nicht deshalb, weil die Christen milderen Sinnes geworden waren, sondern — weil es in Westeuropa, besonders in Deutschland, fast keine Juden mehr gab. „Es blieben nicht viele übrig, di« die Erschlagenen hätten beweinen können", sagt ein Dichter aus jenen Tagen. wenn wir solche Schilderungen lesen, denken wir wohl: „Ja, das war vor 500 Jahren so, da war die Welt dumm und abergläubisch!" Aber es ist im Jahr« 1418 nicht besser gewesen, es ist heute noch nicht besser in manchen Ländern, was damals im Westen Europas geschah, geschieht jetzt im Osten. In der Ukraine mordet man heute genau wie im Mittelalter ganze jüdische Gemeinden dahin, — und selbst die Folter ist wieder auferstanden. Rach einer ungefähren Schätzung gibt es in der Ukraine heute mindestens 500000 Kinder, deren Väter/ Und Mütter ermordet worden sind. Jetzt ist man bemüht, sie von dort wegzuholen. Viele von ihnen sollen nach Palästina gebracht werden, viele werden nach Amerika und Südafrika kommen, wo jüdische Familien sie auf. nehmen wollen. Und auch hie deutschen Juden werden nicht zurückstehen, wenn es gilt, zu helfen. 201

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