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Bar Kochba · 1921-01-01 · Heft 13 (Januar 1921) · p. Seite 200

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 13 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 200 (sequence 6)
Language
German
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ermordeten: nur die christlichen Völker taten er. Zuerst würde dar furchtbare Märchen in Südsrankreich erzählt und geglaubt. Im Mai 1348 wurde dort die erste Juden' gemeinde an einem Tage .verbrannt: Männer, Frauen -und Kinder, ohne aller Erbarmen und ohne jede -Ausnahme, zuletzt warf man auch noch die heiligen Schriften, insbesondere den Talmud, auf den Scheiterhaufen. Der schwarze Tod wurde für die Juden, die er verschonte, zum Feuertod. Schnell breitete er sich in ganz Südsrankreich und in Nordspanien aus, bald folgten selbst so große Städte wie Barcelona. Die spanischen Juden spielten damals in der Politik eine bedeutend« Nolle, sie wandten sich an den Papst Llemens VI. und der erließ «ine Bulle, worin er den Christen bei Androhung der Kirchenbannes verbot, die Juden ohne richtiges UrtelI zu töten, sie gewaltsam zu taufen oder ihre Güter zu rauben. Aber die Christenwelt kümmerte sich wenig unr den Befehl ihrer Hirten in Roni. von Südfrankreich kam das Judenmorden nach der Schweiz. Da der Papst ein richterliches Urteil verlangte, ließ man -die Juden durch lügnerische Angeber anklagen und in den Kerker werfen. Die Juden schworen natürlich, daß sie unschuldig seien. Aber im Mittelalter wußte man, wie man verstockte Sünder dazu brachte, ihre vergehen zu bekennen. Man spannte die leugnenden Juden auf die Folter ■- und es dauerte nicht lange, so sagten sie aus, was man nur von ihnen verlangte, um von den furchtbaren Schmerzen befreit zu werden. Sie geständen nicht nur, selbst Gift in di« Brünnen und Flüsse geworfen zu haben, sondern erfanden, um den Hualen zu entgehen. Aussagen über andere Juden. Diese unter der Folter erpreßten Geständnisse genügten dann, um ganze Gemeinden auf den Scheiterhaufen zu bringen, wo man „gnädig" war, wie z. B in Zürich, verbrannt« man nur die angeblich Schuldigen und jagte die andern aüs üem Lände. Nirgends aber ist das Brunnenmärchen so sehr geglaubt worden, hat man die Juden so sehr verfolgt wie in Deutschland. Daß in einzelnen Städten die Ziehbrunnen vergiftet worden seien, war zwar nicht wahr, aber glaubhaft. Die Deutschen aber waren fest davon überzeugt, die Juden hatten selbst so große Ströme wie den' Rhein und die Donau vergiftet. Zwar gab es auch Vernünftige, die dem Aberglauben entgegentraten, besonders war das beim Rat der Städte Straßburg und Cöln der Fall. Aber sie konnten auf die Dauer gegen das aufgehetzte Volk so wenig ausrichfen, wie Papst und Kaiser. In Basel brachte man alle Juden in ein Haus auf einer kleinen Insel, die im Rhein liegt, dort sperrte man sie ein und steckte dann das Haus in Flammen. In Speyer stürmte der Pöbel das Ghetto, mordete und plünderte und ließ die Erschlagenen in Weinfässern den Rhein hinunterschwimmen. Alle Gemeinden des Elsaß wurden teils ermordet, teils vertrieben. Im Jahre l 349 erreichte auch die Gemeinde Straßburg ihr Schicksal. Vas Volk, von der Geistlichkeit aüfgestachelt, zog Mit seinen Zunftfahnen vor das Rathaus und ruhte nicht, bis die drei Rätsherren, die den Juden freundlich gesinnt waren, ihr Amt niedergelegt hatten. „Sie müssen viel Geld von den Juden bekommen haben. daß sie dieselben wider aller willen so verteidigen," meinte das Volk. Der neue Rat ließ die ganze jüdische Gemeinde, im ganzen etwa 2000 Personen, einkerkern. An einem Sabbath führte man sie dann auf den jüdischen Friedhof, ließ sie ein dort errichtetes Holzgerüst besteigen und verbrannte sie. Ihre Habe wurde Unter die Bürger verteilt, aber viele von ihnen scheuten sich, das Sündengeld zu behalten. Sie stifteten es der Kirche, und so wurden die Pfaffen auch noch gut bezahlt für all den Jammer, den sie angerichtet hatten. von der Vernichtung der jüdischen Ge- 200

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