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Bar Kochba · 1921-01-01 · Heft 13 (Januar 1921) · p. Seite 197

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 13 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 197 (sequence 3)
Language
German
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„Hört," sagt er, „über diese Dinge habe ich schon oft nachgedacht. Vaterland ist nicht immer das Land, wo man geboren ist. Es kann anch ein Land sein, das man jich gewählt hat, um dort zu leben und zu arbeiten. Seht mal, Napoleon war Eorse, Moritz von Lachsen, der Feldmarschall der französischen Heere, ein Deutscher, Rousseau war Schweizer. Und viele andre Menschen, die aus der Fremde zu »ns gekommen sind, sind ebenfalls berühmte Franzosen geworden, und mein eigener Vater.... Du weißt ja, mein Vater ist für Frankreich gestorben und er war Jude . . ." Bei diesen Worten sagt Didier: „E)h ja, ich weiß, Du bist kein Franzose . . ." Gärard zittert und macht einen beinahe drohenden Schritt auf vidier zu: „Ich bin kein Franzose?" . Über gleich ist seine Stimme wieder die alte: „Wer hat Dir das aufgebunden, mein Lieber?" Verwirrt murmelt Didier: „Ach, ich weis; nicht. Heine Dubais hat zu Elaire gesagt . . . / < Der große Junge zuckt die Achseln: „Alle Achtung! von Reine Dubais lätzl Du Dich belehren? Ra, latz den Kopf nicht hängen, ich bin nicht böse. Höre mal, weißt Du eigentlich, wer die Juden sind?" „Ja, das sind doch die Leute, welche. . . Ach, das hat mir ja auch nur Reine Dubais erzählt. . ." „Nicht wahr, das sind die Leute,-die Christus getötet haben. Das wolltest Du doch sagen, nicht wahr? Aber weißt Du auch, daß Christus selbst ein Jude war?" „Ach, Mamma hat gesagt, er wäre ein Hebräer." „Das ist dasselbe, die Juden hießen früher Hebräer. Weil einige Juden Jesus feindlich gesinnt waren und andre nicht so dachten, wie er, haben die Christen degönnen, — alle Juden zu hassen und zu verfolgen. Ulan trieb sie aus ihrem Lande und sie verteilten sich über die ganze Welt. Sie kamen überall hin: nach Rußland, nach Deutschland, nach Frankreich, nach England, nach Belgien, nach Holland, und überall haßte man sie, überall mißhandelte man sie. Manche von ihnen sind wirklich verächtlich geworden, nur darum, weil man sie so verachtete, sie sind listig, kriecherisch, unehrlich geworden. Über dort, wo man gerechter gegen sie war, in Frankreich. England und besonders in Amerika, sind die Juden genau so wie die übrigen Menschen. Und jetzt, im Kriege, wie viele Juden gibt es da nicht, die für Frankreich kämpfe», die für Frankreich gefallen find." Gerard bleibt ein wenig außer Atem stehen und legt seine Hand aus Didiers Schulter: „Hast Du verstanden, mein Lieber? Du kannst gern 'Jude' zu mir sageii, aber laß Dir nicht einfallen, je zu behaupten, daß ich kein Franzose sei!" Und zu Wladimir gewandt: „Ich glaube, wo man herkoMmt, ist gleich. Wenn man aber einmal sein Vater land gewählt hat, dann ist es für immer das Vaterland. Und alle, die das Vaterland angreisen, soll man vernichten!" Wladimirs Gesicht verschwindet im Schatten, nur seine Auge» leuchte», als schimmere in ihnen der Stern. „Niemand sollte angreisen! Niemand sollte vernichten! Die Mensche» sollten in Frieden miteinander leben!" 197

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