Mannheim
Compact Memory

Bar Kochba · 1921-01-01 · Heft 13 (Januar 1921) · p. Seite 198

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 13 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 198 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2276426-2276451-2276463--617-2277190
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bit der a us de r j ü d isch en Ve r gangenh % i t Der schwarze Tod Um die Mitte der vierzehnten Jahrhundert» wurde die damair bekannte Welt von einer furchtbaren Seuche heimgesucht. Er war wie ein Strafgericht Götter und in Europa faßten die meisten Menschen er auch so auf. Unheimliche Erscheinungen, Erdbeben und Kometen, kündigten dar furchtbare Ereignir an. Tief aus Asien kam die Pest, „der schwarze Tod", wie man sie in Deutschland nannte, über Meer und Gebirge dahergeschritten. Mit Windeseile verbreitete sie sich, fast gleichzeitig trat sie in den verschiedenen Ländern auf. Im Jahre 1348 begann sie, alr sie nach drei Jahren ebenso plötzlich verschwand, wie sie gekommen war, hatte sie ln dieser kurzen Seit fünfundzwanzig Millionen Menschen dahingerafft. - etwa ein viertel der gesamten damaligen Menschheit. Ganze weite Länderstrecken verödeten, Städte starben aur, so daß in einzelnen Gegenden die wilden Tiere wieder überhand nahmen. Die ärztliche Wissenschaft der damaligen Zeit stand der entsetzlichen Krankheit verständnislos gegenüber. Die Aerzte fürchteten sich, in die vesthäuser zu gehen,T die Toten blieben tagelang liegen und verbreiteten so die größte Ansteckungsgefahr. MaN hatte damalr noch keine Ahnung, wie solche Epidemien entstehen, heute muß jede ansteckende Krankheit sofort vom Arzt der vehörde angezeigt werden, .und den Häfen widmet man besondere Aufmerksamkeit, damit durch Schiffe aus fernen Ländern keine Seuchen eingeschleppt werden können. Ist ein Schiff verdächtig, so kommt er in „Tiuarantäne", d h. seine Passagiers müssen längere 3eit aus dem Schiffe oder, in einem besonderen Lager bleiben, bis] man ganz sicher ist, daß keine Krankheit»- stoffe mehr vorhanden sind. Im vierzehnten Jahrhundert aber konnten sich die Menschen nur yorstellen, r, habe sie jemand vergiftet. Sie beobachteten, daß viele von ihnen erkrankten, nachdem sie Wasser getrunken batten. Sofort kam ihnen der Gedanke: die vrunnen sind vergiftet! Aber wer konnte tin solch scheußlicher verbrechen begangen haben? wer war er, der auf Geheiß de» Teufels die gesamte Thristenheit ins verderben stürzen wollte? Dar dumme Volk wüßte darauf nur «ine Antwort: die J u d e n waren er, die die vrunnen vergifteten! Sie hatten einst Lhristum gekreuzigt, sie wollten jetzt die ganze Thristenheit verderben. Var dumme Volk glaubte und schwatzte nach, war seine geistlichen Führer, insbesondere die Mönche, ihm jahraus, jahrein gepredigt hatten, wenn es Sonntags in dir Dome, Kathedralen und Kirchen strömte, standen auf ven Kanzeln die Dominikaner und Franziskaner, Angehörige zweier Drdenrbrüderschaften. die sich gegenseitig aufs bitterste befehdeten, sich aber im haß gegen die Juden überholen. Sie predigten ihren Gläubigen, daß die Ungläubigen vertilgt werden müßten, daß die Juden aber noch weit schlimmer als Ketzer und Helden seien, daß sie Kinder lchlachteten und Tbristen mordeten, wo sie ihrer im geheimen habhaft werden Konnten, wenn man das von den Juden glaubte, warum ollte man das Gerücht nicht für wahr Men, daß die reichen und mächtigen panischen Juden in alle Länder ein furchtbarer Gift gesandt hätten, das die dortigen Juden in die vrunnen und Flüsse taten, um die Lhristen zu töten? Zwar tranken die Juden aus demselben vrunnen, .starben auch von ihnen Tausende an der >est, — aber daran kehrte man sich nicht. [So kam cs, daß weder die Mohammedaner, loch die Mongolen, noch sonst eine Völkerschaft der damaligen Seit die Juden um >er schwarzen Todes willen verfolgten und 198

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.