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Bar Kochba · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. Seite 182

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Date
1920-12-01
Page
Seite 182 (sequence 6)
Language
German
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von der Schule handelt. „Ich würde es nicht so gut können," denkt Daniel beschämt. Lernen und besonders Auswendiglernen ist nicht seine Koche, dazu fehlt es dem kleinen Kribbelpeter an Geduld. Dann lesen die Kinder eine recht schwere Geschichte und er wundert sich, wie schnell sie auffassen und was für kluge Fragen sie stellen. Nach der Ktunde nimmt der Lehrer den Daniel mit ins Lehrerzimmer. Da sind lauter liebe, gute Menschen, die freundlich mit ihm sprechen. Der Direktor legt ihm die Hand aufs fyäupt und zieht ihn an sich: „Nus Deutschland kommst du her? Zo weit? Und bist gar nicht müde von der langen Reife?" Daniel schüttelt den Kopf. Wahrhaftig, er spürt keine Müdigkeit. Tr sieht sich im Lehrerzimmer um. Da hängen schöne Bilder an den Wänden: Tobias' Heimkehr, Ruth und Voas. Dies gefällt ihm besonders. Wie herrlich tiefblau ist der Himmel, wie golden die Kornfelder, wie schön sieht Ruth aus! Während er noch alles mit Staunen betrachtet, zupft ihn der Mond, der allen andren unsichtbar, leise ins Zimmer getreten war, von hinten am Aermel und sagt: „Komm mit, Daniel, wir müssen jetzt zurück nach Demschland." Aber der Junge bittet: „Lieber, guter Mond, laß mich noch hier, nur einen Tag! Es ist so wunder-wunderschön hier!_Da lächelt der Mond gutmütig und sagt: „Na, meinetwegen." Und plötzlich ist Daniel in einem 5aal, der mit blauweißen Fahnen und Bildern prächtig ausgeschmückt ist. Der Vorhang der Luhne hebt sich, und da stehen viele Schulkinder festlich angezogen und singen Lieder, während einer der Lehrer, die so freundlich zu ihm waren, den Takt dazu schlägt. Als die Lieder dann zu Ende sind, kommt ein wunderschönes Theaterstück an die Reihe. Ts Heißt „maasse nissim" (..Wundertaten") und schildert, wie ein ungezogener Junge ganz artig Und fleißig wird, seitdem er ins Ggmnasium dort gekommen ist. Daniel muß herzlich lachen, wie der „Feifke" zuerst solch arger Topflecker ist und — kaum hat die Mutier das Zimmer verlassen - den Marmeladentopf aus der Kommode holt und sich mit allen fünf Fingern die Marmelade herausholt. Oder wie er gar Geld stiehlt, um sich Eiscreme zu kaufen. Nachher aber ist er wie umgewandelt, lernt und weiß alles, ist artig und folgsam, nimmt seiner kleinen Schwester nicht Mehr die Puppe fort, sondern hilft ihr bereitwillig bei den Schularbeiten, so daß der Mond - wieder allen unsichtbar 7- Daniel zuflüstert: „So mußt du auch werden!* Wie hübsch und natürlich sie alle spielen, selbst das Mädelchen, das doch höchstens erst 10 Jahre alt ist. Und die „erwachsenen Herren" mit hohem Kragen, langen Hosen und steifen Hüten, mit angeklebten Bärten und würdigen, ernsten Gesichtern, aus denen die frischen Schuljungenaugen lustig in die Welt blicken sehen wirklich fabelhaft „echt" aus! Und nun ist 182

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