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Bar Kochba · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. Seite 181

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Date
1920-12-01
Page
Seite 181 (sequence 5)
Language
German
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was d e r k lei ne D a n i e I t räum t e von Ür. L H a n n e 3 a d e. Der kleine Daniel lag in seinem Veit und schlief. Da ward es plötzlich sonderbar hell im Zimmer - der Vollmond guckte durch die Gardine und sagte: „ Lieber kleiner Demi, willst du ein bischen mit nach Litauen kam men? Morgen früh bist du wieder zuhause und deine Eltern und Geschwister brauchen nichts davon zu wissen." „3a," jauchzte der Uleine begeistert, „nimm mich mit, lieber Mond! Ein fremdes Land," dachte er, „o das muß interessant sein, und sicher kann ich da auch Marken für meine Sammlung bekommen, und ich würde so viel Neues sehen!" Und plötzlich fühlte er sich emporgehoben und hui! - ging es dahin, über Wälder und wiesen und Flüsse - und dann waren sie in Litauen, wie seltsam sah es da aus! Daniel sah zerschossene Häuser, durch deren leere Fensterhöhlen der Wind strich, weite, weite Ebenen, Dauern in bunten Trachten, und — was ihn, der aus Deutschland Kam, besonders in Erstaunen versetzte — ganze riesige Herden von Gänsen watschelten auf den Landstraßen hin und vollführten ein ohrenzerreißendes Geschrei. - Nun ließ der Mond den Knaben auf die Erde herunter und stellte ihn auf den Marktplatz des kleinen Städtchens Wir b a l l e n. Da stand er nun, der kleine Kerl, mutterseelenallein mitten auf dem großen Platze. Auf der einen Seite sah er die weiße, katholische Kirche mit den zwei hohen Türmen, auf der anderen ein langes, niedriges Gebäude, das gar lustig aussah, weiß mit rotem Dach und ja - wie er genauer hinguckt - sieht er über der Tür hebräische Duchstaben! „Gqmnasion iwri"*) buchstabierte er heraus und stapft tüpfer auf die Schule los. Es ist kurz vor 8 Uhr und von allen Seiten strömen die Schulkinder herbei. Ein alter Lehrer im weißen Dort kommt auf Daniel zu: „Willst du mit in die Schule kommen?" fragt er hebräisch, und wenn der )unge auch nicht alles versteht, so weiß er doch, was der Lehrer will und nickt stumm.. Der Lehrer nimmt ihn mit in eine Klasse, wo die Sieben- und achtjährigen sind. Der kleine Gast ruft allgemeine Verwunderung hervor, doch bald nehmen zwei Knaben ihn in ihre Dank und lassen ihn in ihr Duck miteinsehen. „Nch, wenn ich doch die Kinder verstehen könnte!", denkt Dämel traurig. Der gute Mond, der zwar längst hinter die Wolken gekrochen ist, aber von dort auf seinen Freund herunterblickt, hört diesen leisen Seufzer des Knaben und lächelt. Und plötzlich o wunder versteht der Kleine, was die Kinder reden. Sie sagen ein hübsches Gedicht auf, das *j „hebräischer Gymnasium." 181

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