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Bar Kochba · 1920-12-01 · Heft 11 (Dezember 1920) · p. Seite 174

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 11 (Dezember 1920)
Date
1920-12-01
Page
Seite 174 (sequence 14)
Language
German
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fall Mendelssohn von irgend etwas zu überzeugen, hinter ihnen aber, die Lehne der Stuhl» in der Linken, stand ein Dritter stolz aufgerichtet, das scharfe, blaue Auge mit überlegener Laune auf/die Sprechenden gerichtet. „Lessing! Ist das nicht Lessing? - Gelobt seist du Ewiger, der du von deiner Weisheit verliehen hast dem Sterblichen!" so flüsterte der Alte dem Enkel zu. „Wer aber ist der andere Herr?" fragte er die Magd, die ihnen den weg gewiesen halte „Vas ist Herr Lavater aus Zürich, der junge Herr Pfarrer, der so oft bei dem Herrn zu. Gast ist", antwortete sie. „Die Herren sind am Aufbrechen; geduldet Euch ein wenig, so könnt Ihr Herrn Moser Euer Anliegen vorlragen." „Immerhin", hörten sie jetzt Lavater sagen, „immerhin kann es nicht aufhören, mich Wunder zu nehmen, daß Ihre scharfe Einsicht, teuerster Herr Moses, Ihre unbestechliche Unparteilichkeit sich mit dem Zufall der jüdischen Geburt begnügte. Entweder muhten Sie, was ich bis jetzt noch niemals in Ihren Schriften fand, das Christentum öffentlich widerlegen; oder aber, Sie mußten - nun eben tun - was Sokrates an Ihrer Stelle getan hatte - - . und sich öffentlich zur neu erkannten Wahrheit bekennen . . . Der Bucklige lächelte nachsichtig „Auch mich, mein Bester, würde das verwundern, wäre ich in Ihrem Glauben erzogen. Warum wollen Sie mir nicht meinen jüdischen Unglauben lassen? Sehen Sie, ich habe das. Glück, so manchen trefflichen Mann, der nicht meines Glaubens ist, zum Freunde zu haben. Niemals hat mir mein Herz heimlich zugerufen: Schade um die verlorene Seele! Venn nach den Gründsätzen unseres Lehrers Moses soll ich niemanden, ber nicht nach unserem Gesetze geboren ist, tu bekehren versuchen. Uns hat Moses das Gesetz gegeben, es ist ein Erbteil Gemeinde Jakqb Alle anderen Völker aber auf Erden, so glauben wir, seien von Gott angewiesen worden, sich an das Gesetz der Natur und an die Religion der Patriarchen zu halten. Die es tun, werden .Fromme unter den Völkern' genannt; und auch sie sind Kinder der ewigen Seligkeit." „Allzu sanft, teuerster Freund;" unterbrach der Dritte halb unwillig das Gespräch. „Antworten Sie unserem bekehrungseifrigen Goitesmanne nur mit allem Nachdruck und aller ersinnlichen Freiheit. Benutzen Sie Ihre Freiheit, wenn Sie Ihnen auch manchmal als Vogelfreiheit erschienen sein mag. Sie allein dürfen so sprechen, wie manch anderer ehrliche Mann es tun möchte und nicht darf; kann man doch in unseren Zeiten den Umsturz dieses verderblichen Gebäudes nicht anders fördern als unter dem Vorwände, es neu zu stützen... Doch ein andermal. Mich ruft eine Vereinbarung zu unserem Freunde Nicolei; Herr Lao,ter begleitet mich wo!)l ein Stück?" Die Stimmen verklangen im Durcheinander des Abschiednehmens. Jetzt öffnete, sich di« Tür und Moses Mendelssohn kam mit ausgestreckter Hand aus seine Gäste zu. „Ich höre, daß Ihr mir Grüße von meinem Freunde und Lehrer, dem ehrwürdigen Üabbi Israel, bringt. Seid mir willkommen und sagt, was Euer Begehr!" so begann er das freundliche Gespräch mit den beiden, die ihm aus voller Seele ihre Litten oortrugen, wollte doch der Alte den Enkel herbringen, auf daß er zu den Füßen von Molcheh Dessau säße als sein Schüler. Bald ruhte die Hand des Philosophen liebkosend auf der Schulter des Knaben, der ihn an seine eigene Leidenszeit in Berlin erinnern mochte. „Möge sein Weg leichter sein und weiter führen als der meine!" sagte er seufzend vor sich hin. Nicht lange, so unterbrach schon ein neuer Besuch das Gespräch. „Ein Herr von Stande!" meldete die vienstmagd, „der Herrn Moses im geheimen sprechen will. Er will seinen Namen nicht sagen, er wäre ein guter Freund. . ." „Laß ihn eintreten", sagte Mendelssohn „sollte sein Gespräch keinen Zuhörer vertragen. 174

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