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Bar Kochba · 1920-10-01 · Heft 7 (Oktober 1920) · p. Seite 109

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 7 (Oktober 1920)
Date
1920-10-01
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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„Du sollst-dem Dürftigen und Armen seinen „Dar war mein letzter Gang. Nun denn Lohn nicht Vorbehalten : er sei von deinen in Gottes Namen, wenn ich draußen sterben Brüdern oder, von den Fremdlingen. die soll und nicht -abeim, sterbe ich am liebsten in deinen Toren sind. An demselben Tage bei Dir. Ich fürchte, ich bSrr morgen sollst du ihm seinen Lohn geben, und es deinen Hahn nicht mehr kräyen. Schick' soll die Sonne nicht darüber untergehen." sogleich einen Voten nach meinem Dorf: Der Lederherz war eine lange, Knochen- Mein Bruder und wer sonst noch will und starke Gestalt: man sah es ihm aber an, kann, soll zu mir kommen und bei mir daß er sich schlecht nährte. Denn sechs sein, wenn ich sterbe." Der Schulter £ipp Tage in der Woche lebte er fast nur von suchte ihm seine Aengstlichkeit auszureden Kaffee und Kartoffeln, nur selten gönnte und scherzte darüber, tat aber doch schnell er sich eine Tier- oder Mehlspeise, die er alles, um es dem Gastfreunde so behaglich bei seinem Gastfreunde, dem Schuster Lipp, als möglich zu machen. Da» einzige Bett, in eigenem Geschirr selbst bereitete, tliit das in der Wärme stand, das Himmelbett dem Schuster Lipp lebte er in inniger in der Stube für die Großmutter, wurde Freundschaft, die sich aber fast nur in deihm eingeräumt, und bald schnatterte Lederständigen Neckereien und Religionsstreitig- Herz, vom Fieber geschüttelt. Der Arzt Kelten kund gab. Der Schuster Lipp war kam glücklicherweise gerade ins Dorf, er ein Schriftgrübler und suchte seinen Freund besuchte den Kranken, und beim wegzu unserm Glauben zu bekehren: ober gehen, als Lipp kummervoll fragte, zuckte der Lederherz hielt ihm tapfer stand, und er die Achseln. tipp wurde leichenblaß: seine gewöhnliche Entgegnung, war: „Eines aber zum Kranken zurückgekehrt, tat er wenigstens könnt ihr uns nicht oorwerfen. sorglos und suchte ihn aufzumuntern. Wir suchen nie einen Andersgläubigen zu „Ich habe heute noch nicht gebetet", bekehren." klagte der Kranke, „Du weißt wie ich Es war in meinem letzten Winter, in meine Gebetrirmen anlege: hilf mir, ich! Waldhausen, wir hatten fast drei Monate kann mich nicht regen." Lipp half dem ohne Unterbrechung steife Kälte, der Leder- Kranken die Gebetriemen um die Stirne Herz kaM seit zwei Wochen nicht in's Dorf, und den linken Arm legen und sagte endlich man vermißte ihn allgemein, und es hieß, lächelnd: „So, jetzt kannst du besser kuter müsse schwer krank oher gar schon geschieren." Mit schwacher Stimme wehrte storben sein. Lipp sagte, wenn er auch der Kranke ab: „Mach' jetzt keinen Spaß, diese Woche nicht käme, so wandere er tu' das nicht, Du versündigst Dich. Ich nach seinem Heimatsdorf. Um ersten Sonnnehme Dir's aber nicht übel. Da, gib mir tag nach Neujahr kam aber der Lederherz die Hand, Und ich bitte Dich, verzeih'mir und schleppt« sich mühsam mit seinem pack auch Aller, war ich Dir je zu Leide getan bis zum Hause des Gastfreundes. Keuchend oder geredet, und wenn mich mein vrudcr sagte er: „Ich hätte daheim bleiben sollen, und die Anderen nicht mehr am Leben Aber Gottlob, daß ich bei dir bin, Lipp." treffen, sag' ihnen, daß ich Allen verziehen Der Lederherz sah noch abgehärmter . habe ... wenn sie mir wissentlich oder aus als sonst, und auf der linken Seite unwissentlich etwas Böses getan... sie war die Batte seines Rockes gewaltsam zersollen mir auch verzeihen - " rissen, Lipp wußte, daß das ein Trauer- Er murmelte leis« Gebete vor sich hin, Zeichen sei, und Lederherz berichtete, daß dann rief er. wie irr« redend, seinen Bruder: seine Mutter gestorben sei und er deswegen „Gib das Gebetbuch und. sag' mir das so lange nicht gekommen war. „Und jetzt Schemah! Das Schemah will ich hören! bin ich selber schwer krank", klagte er. Das Schemah! Dem Lipp wurde angst

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