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Bar Kochba · 1920-09-01 · Heft 6 (September 1920) · p. Seite 84

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 6 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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Red Theskele ward mutiger und sagte gerade heraus: „Mein Essrog ist wahrhaft schöner, viel schöner." „Ruch meiner ist schöner. Der Essrog des Rebbe läuft ja nicht turmartig in einen Kegel aus. wie vorgeschrieben ist. „Der Uorfuer Essrog ist doch schöner." „Nicht nur schöner, er ist auch besser, entspricht auch eher der Vorschrift." .Hast du bemerkt, der Essrog des Rebbe hat ja gegen die Spitze zu einen kleinen grauen Fleck. Der Nebbe hat ihn nicht wahrgenommen, mein scharfes Rüge aber hat ihn sofort bemerkt. „Ruch die Vertiefungen und Erhöhungen sind nicht so, wie sie sein müßten." „In Lublin darf man nicht einmal einen Essrog aus dem heiligen Lande gebrauchen. Der Lubliner Zaddik hat ihn selbst verboten." „Und wie hat dir der Lulaw zugesagt." . „Er ist ein wenig krumm." „Die vlätter der Myrte sind auch nicht gleichmäßig von einander entfernt." „Ruhe! der Rebbe kommt!" Vas lebhafte Gespräch wurde plötzlich unterbrochen. An der Türe erschien der Zaddik. Seine Hände drückten die aus dem heiligen Lande herstammenden Zweige und die heilige Frucht. Sein Rvtliitz strahlte vor Glück. Die Gläubigen blickten ihn andachtsvoll an. Rls aber der Zaddik die niedrige Schwelle der fjütte überschreiten wollte, strauchelte sein Fuß. Der Zaddik wankte, seine Hand erzitterte und der Essrog fiel zu Loden. Die Gäste der l)ütte wurden von großem Schreck befallen. Ulles schaute zur Erde, ob dem Essrog nichts geschehen sei. „Die Spitze ist abgebrochen! Es ist mit ihm vorbei!" ging die traurige Hunde von Mund zu Mund. „Der .pitem' ist abgebrochen! Gh, weh! Der ,piiem' ist abgebrochen." Rlle, die in der Hütte des Zaddiks waren, erschauerten in dem Schmerze über das verhängnisvolle Ereignis und keiner dachte mehr an den Ruhm, einen schöneren Essrog zu haben, als der Zaddik, dagegen sah man mit aufrichtiger Teilnahme bald auf den Zaddik, bald auf seinen Essrog. Mußten sie doch alle, daß man einen neuen Essrog nicht mehr besorgen Könne und daß der verletzte nicht zu gebrauchen sei. Wird doch der Essrog deswegen in Hanf gewickelt, daß er nicht verletzt werde, daß seine Spitze nicht abbreche. Und nun ist der „pitem" abgebrochen! welches Unglück! Der Zaddik sah traurig auf die verletzte Frucht vom heiligen Lande, und aus seinen Rügen fielen zwei große Tränen auf sein gefurchtes Rntlitz. „Ich gebe dem Uebbe meinen Essrog", sagte Reb Scholem mitleidig. 84

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