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Bar Kochba · 1920-09-01 · Heft 5 (September 1920) · p. Seite 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 5 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 76 (sequence 12)
Language
German
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haariger Dauer mit einem etwas jüngeren und ft« droschen. Var Vreschen mit dem Ziegel hat heute in manchen Gegenden Deutschlands ganz aufgehärt, weil die Dreschmaschine in einer Stunde zehnmal soviel leistet, als zwanzig Drescher an einem , ganzen Tage, va; ist schade, denn das Vreschen ist ein sauberes und lustiges Geschäft, während die Maschine Gestank, Rabatt und Schmutz in einem macht. Ich blieb also stehen und sah zu, wie die Ziegel auf den Garhen tanzten. RU sie eine Pause. machten, sagte der alte Dauer mürrisch: .Zugucken kann jeder!" Nun war ich im. Zeld einmal einige Wochen bei einem Erntekommando, und wenn ichs beim Vreschen auch nicht grade zur Meisterschaft gebracht habe, so weiß ich doch, wie man den Ziegel handhabt. Ich zog also stillschweigend meine Jacke aus, nahm einen zur Hand und als sie wieder anfingen, drosch ich mit. Eine ganze weile gings „Klipp, Klipp, klapp — Klipp. Klippklapp!" Dann kam wieder eine pause, da stützte sich der alte Dauer auf seinen Ziegel und fragte: „Sind Sie auch Jude?" „Ja." „Und alle diese Mädchen und Jungens, bei denen Sie sind, auch?" „Ja." „kille?" „Ja. alle." Ver Rite schüttelte den stopf. „Wir haben uns die Juden immer ganz anders gedacht, vorhin sah ich ein paar Mädels, die waren ganz blond. Und Sie Können dreschen." Ich sagte ihm, daß das beilmir nur ein Zufall fei, daß aber eine ganze Rnzahl von den Dlauweißen bei Dauern arbeiten, um später'nach Palästina zu gehen. Ja. meinte er, daß die Juden wieder ins heilige Land wollen, habe er gelesen. Darin würde dort wieder Milch und Honig stießen und die Weintrauben müsse man zu zweit an einem Stocke tragen, wie zu weiten der Di bei- Während unseres Gesprächs war noch «in jüngerer Mann mit einem Kleinen Jungen in die Scheune gekommen und nun waren beieinander: Urgroßvater, Großväter, Vater und Sohn. Ich will hier gleich noch von einem zweiten Gespräch erzählen, das ich mit einer Bauersfrau hatte. .Sie hatte mit Erstaunen gehört, daß die meisten von uns sehr weit hergekommen und viele schon wochenlang unterwegs waren. „Warum tut Ihr das?" meinte sie. „Ihr Habt Zu Haus Eure Familie, und lauft in der Welt herum, Ihr habt Euer gutes Bett und schlaft im Stroh, zu Hause Kocht Euch die Mutter alles Gute und Ihr plagt Euch hier ab, in einem Topf etwas zu kochen, was meistens anbrennt." , Ich versuchte vergeblich, ihr zu erklären, daß die Leute, die in der Stadt wohnen, sich danach sehnen, ein paar Wochen wandern zu dürfen und dabei ganz einfach und natürlich zu leben, „Nein," sagte sie, „im Freien sind wir das ganze Jahr, w i r freuen uns, wenn, wir mal einen Tag nichts zu schaffen haben und ruhig in der Stube sitzen dürfen." Rls ich wieder zum Marktplatz Zurückkam, war es schon fast dunkel. Unter der vorflinde und am vrunnen saßen die vlauweißen, viele hatten eine stlampfe bei sich, und dann wurde um die Wette gesungen. Zuerst deutsche Lieder. Jeder Dund kannte andere, auch solche in den verschiedenen Mündarten, und hatten die Norddeutschen die schöne Geschichte vom „Pastor sin stauh" gesungen, so bedankten sich die württemberger mit dem Lied von der „Schwäb'schen Gisebahn". vann stimmten alle zusammen ein hebräisches Lied an, und erstaunt horten die herumstehenden Mühlberger die ihnen fremde Sprache. Rber die Dlauweißen kamen jetzt erst recht ins Singen und ein hebräisches Lied nach dem andern stieg zum dunklen, sternenbesäten Nachthimmel auf. RU es später wurde, kroch einer nach dem andern ins Stroh." Vas ging nicht ab, ohne daß denen, die sich sckon früher schlafen gelegt hatten, ab und zu auf die Deine oder gar auf den stopf getreten wurde. Vas gab stets Geschimpf und Gelächter. (Sortierung folgt.) 76

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