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Bar Kochba · 1920-09-01 · Heft 5 (September 1920) · p. Seite 73

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 5 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 73 (sequence 9)
Language
German
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Jehoschua blies, als vor dem Schofarklang die Mauern Jerichos einstürzten. Du hast es geblasen, da hier weder der Grt noch die Stunde ist, wo.man Zchofar zu blasen pflegt, so sind wir gekommen und harren deines Befehles!" Der Rote sah erstaunt auf das Zchofar, das er in Händen hielt. Nun wußte er um sein ^Geheimnis: das Horn Jehoschuas war es, der Israel in sein Land geführt hatte. Nun hatte er Gewalt über Geister und über» irdische Mächte, er, der Dumme, der Narr, der Rm-Haarez! Schon schwang er sich in den Sattel und: „Um die ganze Welt!" klang sein Nuf. Da begann das Sausen und Brausen von neuem, sein Roß begann zu galoppieren, und hinter ihm her sprengten die Reiter, unsichtbar und unhörbar den Menschen, über deren Häuptern sie dahinzogen. Der Rote sah mit Staunen, aber auch mit Heller Freude, wie die Landschaft unter ihnen wechselte. Wälder wurden von tiefen Flußtälern durchschnitten, an graden Landstraßen lagen Dörfer und Städte, ein hohes Gebirge reckte ihnen kahle, schneebedeckte Gipfel entgegen, dann sah man Gegenden mit seltsamen Bäumen, und endlich schwebte die ganze Schar über einem blauen Meer, auf dem weiße Segel, ihre Bahn zogen. Rls dann wieder eine ferne Rüste auftauchte, begannen die Reiter ein Jubellied zu singen. „Erez Israel! Erez Israel!" riefen sie einmal über das andere und der Rote begriff, daß sie auf ihrer Reise in das jüdische Land gekommen waren. Da gab er ihnen den Befehl, sich auf die Erde herniederzulassen, denn er wollte das jüdische Land nicht nur aus der Luft sehen. Der Führer aber belehrte ihn, daß den Gibborim dieses verwehrt sei. Ihre Herrschaft erstrecke sich nur auf das Reich zwischen Himmel und Erde, dort seien sie mächtig, soweit die Rinder Israel weilen und stets zu ihrem Schutze bereit, tlber er, der keiner der ihren sei, und doch ihr Führer durch das Schofar des Jehoschua, könne jederzeit seine natürliche Gestalt wieder annehmen und auf Erden wandeln, sobald er es nur wünsche. So stand der Rote plötzlich am Strande Erez Israels, die Gibborim waren verschwunden und wenn er nicht in der Hand noch das Schafor gehalten hätte, so hätte er denken müssen, alles sei nur ein Traum. Nun durchwanderte er das ganze Land Israel, besuchte alle heiligen Stätten und freute sich, daß er, der Rote, der Rm-Haarez, eines Wunders gewürdigt worden war. Eines Tages, als er durch Galliläa wandcrte, begegnete er unterwegs einem alten Mann von hoher Gestalt und majestätischem Russehen. Als er ihm den Gruß bieten wollte, blieb der Rite stehen und sagte mit strenger Stimme: „Was tust du hier, Roter, und in deiner Gemeinde warten sie auf Dich und können das neue Jahr nicht beginnen, weil niemand da ist, 73

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