Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 72 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2276426-2276451-2276456--487-2277035- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
daß nur ganz starke Männer es heben konnten, und in jedem Geschlecht gab es nur einen, der auf ihm. zu blasen vermochte. Keiner wußte, woher es kam, aber es ging von ihm eine Zage, daß, solange man auf ihm am Rauschhaschonoh blasen werde, das Glück der Gemeinde hold bleiben werde. Ls war aber immer nur einer dazu imstande, und dieser eine war jetzt der Kote. Er nahm das Schofar aus dem Futteral und strich liebkosend darüber hin. Dann ging er, ohne sich umzusehen, zum Tore hinaus und auf der Landstraße dahin, in her Rbsicht, niemals wiederzukommen. „Mögen sie nur jemanden suchen, der ihnen diesmal Schofar bläst," dachte er. „Sie werden schon sehen, wer der Narr ist!" In diesen Gedanken schritt er rüstig aus, bis er den Gipfel eines Berges erreicht Hatte, der in einiger Entfernung auf die Stadt herniedersah. „Einmal sollen sie es noch hören, ihr Schofar," dachte er, führte das Horn an die Lippen und ein lauter, schmetternder Ton hallte weithin über das Land. Dem Roten Kam es vor, als habe er noch nie so laut und so rein auf dem Schofar geblasen. Raum aber war das Echo verhallt, das der Ton in allen Wäldern weckte, da ertönte von fernher ein Sausen und Brausen in der Luft, es Klang, äls wenn Eisen an Eisen schlägt und.Sattelzeug aus frischem Leder Knirscht, auch pferdewiehern war zu vernehmen, und plötzlich solider Rote die Luft erfüllt von vielen hundert Reitern in weißen, wehenden Mänteln, die wie die Windsbraut auf seltsam geschmückten Rossen daherjagten und in einem weiten Kreife rings um ihn hielten, ohne daß die Hufe der Pferde die Erde berührten. Einer von ihnen, - es mochte wohl der Rnführer sein ~ hielt ein Kostbar geschirrtes Pferd am Zügel, führte es vor den Roten hin, hob sich hoch im Sattel und rief laut: „Es lebe unser Fürst, der das Schofar des Jehoschua bläst!" Und die vielen hundert braunen Reiter schlugen an ihre Schwerter, ließen ihre weiten, weißen Mäntel im Winde wehen und antworteten: „Es lebe unser Fürst, der das Schofar des Jehoschua bläst!" Dem Röten war ganz seltsam zu Mute. Wer Hätte das gedacht?, meinte er. man bläst auf dem Schofar, und dieses Heer Kommt durch die Luft gezogen. Rber er war Keineswegs ängstlich, und als der Rnführer ihn mit ehrerbietiger Gebärde ausforderte, das Roß zu besteigen, fragte er: „wer seid ihr?" „Du Kennst uns nicht?" antwortete der Führer. „Wir sind die Gibborim, die Heldenschar, die Israels Schutz in den höhen und in den Tiefen ist. Rur ein Sterblicher hat Macht über uns: wer das Schofar zu blasen weiß, das 72