Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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steht. (Er kann einem Gaul zwei Stunden lang ins Maul gucken, weiß er -rum, wie alt das Tier , ist? Die Frau Riwke ist neulich zu ihm gekommen und hat gefragt, ob Kiebitzeier koscher sind. (Er wußte aber nichts von einem Kiebitz. Wenn er von seinem Studiertisch auf steht, weiß er weniger als ich. Wer ist also der Narr? Und sind sie nicht alle Narren, die gelehrten „Vachurim", die den ganzen Tag in der Stube sitzen und lernen. Dabei sind sie stolz - puh, gar nicht zu sagen, wie stolz sie sind. Den Koten sehen sie nur an, wenn sie ihn brauchen können. Und können sie ihn etwa nicht brauchen, he? Nlle können den Roten brauchen, jeden Tag brauchen sie ihn. Sogar Mendel, der Fuhrmann, braucht mich. Vas ist auch so ein Studierer, wenn er erst auf der Landstraße ist, sagt er zum Pferdchen „lauf" und holt ein Buch hervor. Wenn aber das Pferdchen beschlagen werden soll, und der Schmied hält das heiße Eisen bereit, wer hält dann dem Pferdchen den Huf. Etwa Mendel? Nein, dem gibt das Pferdchen einen Tritt: „Geh weg. davon verstehst du nichts!" Und dann kommt der Rote vorbei und es heißt: „Rch bitte, Freundchen, halte den Huf." Und wenn das Eisen fest ist, heißt es: „Ja, den Huf halten kannst du, aber du bist ein Nm-Haarez!" Der Rote wird immer wütender: „Wer braucht mich nicht? Rlle brauchen sie mich! Wer schleppt den Hausfrauen am Freitag das Wasser zum Großreinemachen? Der Rote! Wer ist im Stall, wenn die Kuh ein Kälbchen Kriegt? Der Rote! Wer holt, wenns wo brennt, die große Feuerleiter? Der Rote! Wer hat den Bullen wieder eingefangen, der Metzger Boas fortlies? Der Rote! Wer kann Töpfe flicken, Knochen wieder einrenken, Korbe flechten, wer hebt die schwerste Sefer Thora beim hag'bäh*) mit einem Ruck? Der Rote! Und wer bläst . Ms er das Wort „bläst" gesprochen hatte, sprang der Rote plötzlich auf. „Ich bin ein Narr?" schrie er, und schüttelte die Faust in der Richtung des Gries. „Wartet, ich werde euch zu Narren machen! Wir werden einmal sehen, wer euch diesmal am Rauschhafchonoh das Schofar bläst!" Und spornstreichs lief er in die Stadt und in die Synagoge. Da saß Verl, der Schammes, und las in einem dicken Buch. „Was willst du. Roter?" fragte er. „Gebt mir ganz schnell das Schofar, Schammes!" sagte der Rote. „Morgen ist Rausch Thaudesch**) Ellul und ich will noch ein wenig üben." Der Ulte gab ihm den Schlüssel. „Geh und hol es dir. Mir ist es'zu schwer." Der Rote lachte in sich Hinein. Ja, es war eine seltsam? Geschichte, die von dem Schofar der Gemeinde. Es war so groß, und schwer, *) Nack dem Vorleser, aus der Seser»Thora (ThoraNolle) wird diese aurgebreitel an den beiden NundhSlzern hochgehoben, was eine ziemlich große Kraft erfordert. *•) Monatranfang der Lllul, von dem ad jeden Morgen das Schofar geblasen wird 71