Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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v a s $ ch o f a r d e s I eh o s ch u a Irgendwo in der weilen Welt liegt eine kleine jüdische Stadt, in der lebte vor vielen, vielen Jahren einmal ein junger Bursche, der hieß bei allen Leuten nur „der Bote", weil sein Haarschopf fuchsrot war. Buch sonst war er nicht wie die andern jungen Männer in selbigem Grt zu sein pflegten. Zunächst war er ein „Am haarez", was so viel sagen will, als daß er nichts gelernt hatte, außer Lesen und Schreiben natürlich, denn das kann jedes jüdische Bind, Aber über das Alef-Beth war er Nicht hinausgekommen, und während feine Altersgenossen längst in der Jeschiwah saßen und den Talmud studierten, wußte er kaum, was in den fünf Büchern der Bibel stand. Jeder andere hätte sich darüber zu Tode geschämt, aber der Bote lachte nur, wenn man ihm seine Unwissenheit vorhielt. Einmal ließ ihn der älteste Babbiner des Gries zu sich kommen und redete eine Stunde lang auf ihn ein, sagte, er wäre eine Schande für den ganzen Grt und so könne dar nicht weilergehen. Der Bote stand ganz ruhig dabei und drehte die Pelzmütze zwischen den Fingern. Als der Babbiner fertig war, sagte er langsam und bedächtig: „Es ist so, wie es ist, Bebbe, und ihr solltet mit Gottes Geschöpfen zufrieden sein, wie er sie geschaffen hat. Ihr sagt, ich sei dumm. Und ich sage euch: niemand ist dumm, jedes hat seinen Perstand für sich. Vas Pferd hat einen Laufverstand und die Buh einen Milchverstand, und niemand wird die Buh reiten oder das Pferd melken wollen. Ihr habt einen Venkverstand und seid der Babbiner, und ich habe keinen Denk verstand und bin der Bote. Ich kann nicht, was ihr Könnt, und ihr Könnt nicht, was ich Kann. Es gleicht sich alles wieder aus." ver Babbiner war über diese Bede sehr erstaunt und sehr ärgerlich: „So bleib, was du bist, du Narr!" rief er. Aber her Rote lachte nur und ging von dannen. Innerlich wurmte es ihn aber doch, daß der Rabbiner so zu ihm gesprochen hatte. Er ging aus dem Grt hinaus und warf sich ins blühende Heidekraut, streckte die Beine von sich und guckte in den Himmel. Dabei hielt er. wie es seine Gewohnheit war, ein lautes Selbstgespräch: „Er sagt, ich bin ein Narr. Wenn er nicht der Bebbe wäre, könnte man da nicht sagen, er ist der Narr? Ich kenne seine dicken gelehrten Bücher nicht, aber ich habe mir wohl gemerkt: „Der tjimmel, ja der Himmel ist Gottes, die Erde aber gab er den Menschenkindern." Nun, der Bebbe weiß im Himmel ganz gut Bescheid, wie viel Arten Engel es da gibt und so weiter. Aber was weiß er von der Erde? Nichts! Ich glaube, er hat noch nie eine Eiche gesehen, außer der. die mitten im Grt auf dem Markt 70