Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2276426-2276451-2276456--484-2277032- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
-ein Mort nicht gehalten, Rabbi Ammon!" rief er. „Warum bist du nicht rechtzeitig vor meinem Angesicht erschienen? Vas fordert strenge Dufte!" Da fiel von Rabbi Ammon alle Furcht und alles Zagen ab. „Ja. Herr," rief er, „ich habe gesündigt. Nie Hätte ich DedenKzeit verlangen dürfen, gleich hätte ich bekennen sollen, was ich dir jetzt sage, daß ich als Jude sterben will, wie ich als Jude gelebt habe! Und so erbitte ich mir von dir die Straf*, daß mir die Zunge herausgerissen werde, mit der ich meinem Gotte untreu war." „Nein," antwortete der Fürst, „deine Sünde gegen Gott möge Gott selbst strafen. Gegen mich hast du nicht mit der Zunge gesündigt, sondern mit den Füßen, die dich nicht rechtzeitig zu mir tragen wollten." Und als man Rabbi Ammon aus dem kurfürstlichen Palast fortschaffte, fehlten ihm beide Füße. Ls war aber grade der Abend des Rauschhaschonohfestes gewesen, und als der Tag graute, da ließ sich Rabbi Ammon, angetan mit den Sterbe, gewändern, in die Synagoge tragen, wo man seine Dahre neben dem Pult des vörbeters aufstellte, va lag er, fast schon einem Toten gleich, gab kein Lebenszeichen von sich und selbst bei den Tönen des Schofars öffnete er die Augen nicht. Als aber der Vorbeter die Ueduschah des Muffufgebetes beginnen wollte, erhob Rabbi Ammon plötzlich seine Stimme und ein wunderbares, tiefergreifendes Gebet kam über feine Lippen. Und mit deM letzten Worte neigte er sein Haupt und seine Seele schwang sich empor. Rach drei Tagen aber erschien er dem Gberrabbiner von Mainz im Traum, lehrte ihn ^das Gebet und von jener Zeit an wird es in allen jüdischen Gemeinden der Welt zum Andenken an den Gpfertod des Rabbi Ammon am Rauschhaschonoh und JoM Kippur gebetet. Es beginnt mit den Worten „Unessanneh taükef". verreist auf etwa vier Wochen. Das Erscheinen des Dar liochba wird dadurch keine Verzögerung erfahren. Persönliche Anfragen aber können in dieser Zeit nicht beantwortet werden, vom 15. September bis 15. Oktober sind alle Zuschriften an den Welt-Verlag, für Frau vr. Robinson. Berlin NW 15, Dorotheenstraße 35, zu richten. - Auf seiner Reise hofft der Herausgeber recht viele von Luch persönlich Kennen zu lernen. Lr Kommt wahrscheinlich nach: Hamburg, Köln, Frankfurt a. M.. Wiesbaden. Mannheim, Stuttgart, München, Nürnberg, Hannover, vielleicht auch Breslau und Rattowitz. Wer ihn sprechen will, sende seine Adresse an den Jüdischen Turnverein des betreffenden G r t er. 69