Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Da s Gebet de $ K abb i Hm m o n vor beinahe 900 Jahren lebte in Mainz ein sehr frommer und gelehrter Mann, namens Rabbi flmmon, der von allen seinen Mitbürgern, den christlichen nicht weniger als den jüdischen, hochgeschätzt wurde. Sein Ruf drang bis an den Hof des Rurfürsten, dieser ließ ihn zu sich rufen und gewann ihn so lieb, daß er von Stund an in der kurfürstlichen Vurg aus* und eingehen konnte und jederzeit das Ghr des Fürsten fand. Vas erregte den Zorn der Geistlichkeit, die er nicht dulden wollte, daß ein christlicher Sürst sich von einem Juden beraten ließ. Sie steckte sich hinter den vurgkaplan. und dieser sprach zu dem Rurfürsten: „Venn Rabbi Ammon euch wirklich so ergeben ist, wie ihr glaubt, warum bringt er euch dann nicht das kleine Opfer, statt des einzigen Gottes den dreieinigen anzu* beten, den auch ihr verehrt? Stellt ihn auf die Probe und sehet dann, wie weit seine Treue reicht." Der Rurfürst sträubte sich erst, als der Raplan aber immer wieder mahnte, es sei seine Pflicht, einen so gelehrten und rechtschaffenen Mann wie Rabbi Amman dem Christentum zu gewinnen, begann er, ihn zu überreden. Der Rabbi erschrak ^ehr und hielt sich von der Zeit an dem Hofe fern, nur bei den wichtigsten Gelegenheiten zeigte er sich noch vor dem Fürsten. Aber eines Tages ließ dieser ihn zu sich rufen und forderte ihn mit strengen und ernsten Worten auf, seinen Glauben abzuschwören und sich zum Christentum zu bekennen, wenn er an seine Treue glauben solle. Da antwortete Rabbi Ammon: „Mein Fürst, du willst ein Zeichen meiner Treue zu dir. Nun siehe, ich diene dir erst eine kurze Zeit, dem Gotte Israels aber diente ich Zeit meines Lebens und bin doch heute ein aller Mann. Täte ich nun nach deinem Geheiß und bräche ich meinem Gotte die Treue, müßtest du dann nicht fürchten, daß ich noch viel schneller dir die Treue brechen würde, der du nur ein Mensch aus Fleisch und Blut bist?" „Du willst also nicht?" grollte der Fürst und winkte dem Henker, der lautlos in den Saal getreten war. va erschrak Rabbi Ammon, und er erbat sich eine Vedenkzeit von drei Tagen. Zuhause angelangt, zerriß er seine Rleider, streute Asche auf sein Haupt, setzte sich zur Erde nieder wie ein Trauernder und verbrachte die drei Tage in Gebet und Tränen. Als sie aber um waren, fand er nicht die Rraft, vor dem Fürsten zu erscheinen und ihm zu sagen, daß er lieber sterben wolle, als aufhören, ein Jude zu sein. Raum aber war die letzte Stunde der Frist verstrichenso erschienen die Soldaten des Fürsten und schleppten ihn vor seinen Thron. Der Fürst blickte ihn finster an: „Warum hast du 68