Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 3 (August 1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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„Wohin gehst bu, Alter, mit deinem Gelkrüglein, mit deinem Spietz und deiner Posaune?" / . „Ich gehe, einen, König über Israel krönen." „Wer ist dein König. Alter, den du krönen willst in dunkler Nacht, in Verborgenheit und Einsamkeit?" „Er ist nicht höher als alles Volk. Ein Knabe ist's, ein kleiner Knabe aus dem Hause Isais, kraus und schwärz sind seine haare, schwarz blitzen seine Augen. Und die Schafe hütet er." Und dort im Felde, ist Gibeath Schaul lSaulshügel). Dort ruhen ein Heer und lei» König, aus der Schlacht geflüchtet, halb tot und vom Geiste Gottes verlassen. Der Prophet-hat Gottes Herrlichkeit vom Verge genommen und trägt sie in seinem Mantel nach Bethlehem, sie auf den Kopf des Knaben zu legen, des schwarzäugigen, schwarzhaarigen Schafhirten. Auf, Bethlehem, stoß' jn die Posaunen! Auf zum Stadttor! Ein Prophet kommt in deine Mauern, um einen deiner Knaben zum König über das Haus Israel zu salben! Und nun sind wir am Grabe Aahels. Klein und bescheiden ist das vethaus. das Monteflore über ihm errichtet hat. Seine Kuppel erhöht es über den Friedhof, auf dem es steht. Die eiserne Tür geht auf. Wir treten ein. Die wände sind mit kleinen veckchen aus Atlas und Samt behängen -- fromme Geschenke, die die Kinder der,Mütter brachten. Keine Gemeinde, kein Verein fehlt. Weder im Lande Israels noch in den Ländern des Golus. Und ich lese den Vorwurf von den Wänden Und du? warum hast du nicht also getan? Und hell ist's in dem kleinen Vethaus der Mutter. Venn Freitag abends vor dem „Lichtzünden" weiht ihr jede jüdische Frau ein Lämpchen. Und da hängen die Lämpchen und brennen tagaus, tagein zwischen den Vecken. Lichtübergossen ist das Grab. . . hoch und rund ist der Stein, den unser Väter Jakob aus das Grab gesetzt hat. Sieht aus wie ein Sarg, aus Stein gehauen. Und Unzählige Seelen umschweben ihn. Jedes der Kinder, das hier bei feiner Mutter war, hat seinen Namen in den Stein geritzt, hat sein Briefchen in die Fugen und Löcher des Steins gesteckt. Und kühl und still ist's in dem Kleinen Haufe. Man hört das Knistern der Lichter und das Atmen der Seelen. Und jede Nacht, genau um die zwölfte Stunde, steht die Mutter Nahe! aus ihrem. Grabe auf. In ihren Tötengewändern, die Sabbathaube auf dem Kopf, geht sie hinaus auf den Weg von Bethlehem, sieht die Leiden, die Nebujaradan über'die Juden bringt, wie er sie in das Golus treibt, und hebt die Hände zum Himmel empor. ' Ein Gedanke durchzuckt mich: Wie spät. . .vielleicht... „Guten Abend, mein Kind, woher kommst hu?" Ich sehe mich um. Eine königliche Frau steht vor mir. Eine königliche Stirn strahlt unter der tiefsitzenden Spitzenhaube hervor. In hsn Falten ihre; schwarzen Seidenkleides ruht das Geheimnis der Nacht. Sie hat die Hände erhoben, mich z» segnen. .; habt keine Angst! Er war nicht die Mutter Nahel. Es war die Lowitscher Kehbezin, die ihr hier im Vethause dient, ihr die tvellämpchen anzLndet, die veckchen aushängt... Sie gab mir ein Gebetbuch in die Hand: „va, sag' Psalmen!" 4^