Mannheim
Compact Memory

Bar Kochba · 1920-07-01 · Heft 2 (Juli 1920) · p. Seite 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 2 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 27 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2276426-2276451-2276453--439-2276984
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

nicht, bis sie eines Tages aushörten. uns dafür zu schlagen und uns einfach nichts anderes mehr vorfehten als Schweinefleisch. Zwei Tage fasteten wir. Buch Brot und Wasser kam nicht über unsere Lippen. Siehst du den kleinen Simon? Tr versuchte damals, das Gras vom Hofe zu essen. In der dritten Nacht unseres Fastens erschien mir mein Vater im Traum. Tr trug Feiertagsgewänder, in der Hand hatte er ein „Thumesch"'). Tr begann mit mir zu lernen und schärfte mir besonders den Vers ein: „Ihr ssollt euch hüten für eure Seelen". Und plötzlich tat sich die Erde auf. Ein schrecklicher Engel stand vor mir, mit peitschen in der rechten und Schweinefleisch in der linken Hand. Er näherte es meinem Munde. Zitternd blickte ich zu meinem Vater hin . . . -und er lächelte, ver ganze Raum erstrahlte von seinem Lächeln: „Ißt du etwa freiwillig ■" sagte er und entschwebte langsam nach oben, von weitem rief er mir noch zu: „Sage all deinen Mitgefangenen Brüdern — euer Lohn wird sehr groß sein! Jeder Seufzer soll euch augerechnet werden wie ein Gebet, jeder gute Gedanke wie eine gute Tat. Uber wenn ihr Hungers sterbt, sollt ihr in der Hölle enden." Ich erwachte, von da an begannen wir, Schweinefleisch und unreine Speisen zu essen, so oft man uns welche vorsetzte. Die Hauptsache ist, daß wir Juden bleiben und als Juden zu unseren ' ■ ■ *). Biber -- .; r Vätern zurückkehren. Ich bin überzeugt, daß Gott uns das nicht als Sünde anrechnen wird." Ein schwerer Stein fiel mir vom herze», und meine Bugen füllten sich mit Freudentränön. Inzwischen holte Simon ein Stück Brot mit Braten aus meinem Nucksack hervor. Nimmersatt - herrschte ihn Jokl zornig ’ an hast Du denn ganz vergessen, daß heute Tischahbeaw ist! ver Gescholtene tat das Brot wieder in den Nucksack und schlich sich auf die Seite. , Freudigen Herzens schloß ich mich nun der Gemeinde an, und wir begannen von neuem die ersten Psalmenkapitel, die uns als Ersah für die Klagelieder dienten. .Zuletzt schlug ich vor, daß wir „Bn de» Strömen Babels" sagten, dar ich auswendig wußte. Mein Vorschlag wurde angenommen. Und so stand die kleine Gemeinde im Tale von Peter Thalpow, im Schutz der Berge und der finstern Nacht, in den Bugen der fremden Diebe, nur um Zion klagend nach ihrer Ueberzeugung, und betete aus tiefstem Herzensgründe: '■; „Btt den Strömen Babels saßen wir und weinten, wenn wir Zions gedachten." Mir beteten. Und auch wir. saßen und weinten, wenn wir unseres Schicksals gedachten und des lvrtes, da wir weilten. Bus:y<\uba Steinberg: „Der Soldat des Zaren" Jüdische Jugend« bücherei. Jüdischer Berlag. Berlin. 'HoriYHtrht'miftcfrfooimV' Erich vongartz, lv»s«I. flu* vk»>Ich.<k,,lmi: Zamilir lunch, v . lllJ^|UJvlllv Familie Leon; Fischer. BlexandrowiY: Hilde Nosenthal. Familie Fromm» Kalkstein' Br. hurwig. Familie Schrenski» Else Solomon. Ad. Zacobsohn, Alienstein: Garfunkel Geschwister Gutseld Geschwister Nrbanski» Geschwister Lepin, Joseph Bejarano. Lugano:' Zochanan Thorner, Meisten : Heinz Uarsiol, 5lltona; Blaüweisz.Nürnberg. Sammlung Vorn und Zlflius warschauer, z. Z. herinosdors > werbt neue Abonnenten für den 2. Zahrgang 27

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.