Mannheim
Compact Memory

Bar Kochba · 1921-06-01 · Heft 23 · p. Seite 356

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 23
Date
1921-06-01
Page
Seite 356 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2276426-2276427-2276449--380-2276923
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Der Mann konnte nicht widerstehen. 3u seltsam war es, wie sich Eva verändert hotte, und entschieden war die Wirkung des Apfels keine schlimme — im Gegenteil, was hotte er denn zu wagen? Auch ihm war häufig schon die Zeit lang geworden; er wünschte sich das Leben irgendwie anders, nicht so glatt, nicht so einförmig — aber wie eigentlich? vielleicht sieh! es ihm ein nach dem Genuß des Apfels? Gr nahm ihn aus Eva? Hand, und biß hinein. Großer Schrecken - wie schlimm schmeckte das! - Eva mußte laut lachen. „Ja Adam, gerade so ging es mir. Aber warte nur, jetzt erst schmeckt dir diese Banane wirklich - und hier hast du eine feine kleine Schürze aus Blättern. Kühlt sie nicht angenehm?"; Adam antwortete nicht; etwas Ungewohntes schien kn ihm vorzugehen. Zum ersten Mal dachte er nach, wieso schmeckte ihm die Banane, zum-ersten Mal süß? weil er jetzt wußte, was bitter war. Weshalb fand er es ganz richtig, daß er etwas wie Kleidung an hatte? Weil er wußte, daß er bisher nackt gewesen war, der Sonne und dem Kegen schutzlos preisgegeben. Obwohl sich jetzt alles so verändern würde? Und dazu hatte nur die verbotene Frucht den Anstoß gegeben? " Adam und Eva hatten ihre Bananenmahlzeit beendet. Aber anstatt sich wie bisher faul ins Gras zu legen und zu schlafen, blieben sie sitzen und versuchten mit ungeübten Händen allerlei Kleidungsstücke herzustellen. Beide waren sehr eifrig dabei und ehe sie sich's versahen, begann es zu dunkeln. Adam schaute überrascht auf. „Eva, sieh nur, die Sonne sinkt schon - so rasch ist mir die Zeit noch nie vergangen! Wie kam denn das nur?" ' -; „weißt du, lieber Mann," sagte Eva langsam, „jetzt begreife ich manches, Die kluge Schlange! Sie war es, die mich überredete, den Apfel zu essen und sie sägte allerhand kluge Sachen. Bisher täten wir nichts - das war langweilig; jetzt arbeiten wir •- das ist unterhaltend, wir sollten unsere Erfahrung verwerten - wir sollten von nun ab immer arbeiten. Irgend etwas wird sich schon finden; wir müssen nur recht ernstlich wollen. Was meinst du?" Adam hatte bereits seinen Entschluß gefaßt. Die plötzlich in ihm erwachte Erkenntnis hatte sei» Denken angeregt, sein Wille war geweckt. Er war ein Mann geworden. „Eva/' sprach er fest und ernst, „höre mir genau zu. was ich jetzt weiß, schlummerte schon lange in mir, nur die bittere Erfahrung hat es mir ganz klar werden lassen, wir waren bisher zwei Kinder - lebten in den Tag hinein, aßen, was uns in den Mund wächst und dachten nicht bis morgen, über wir wissen jetzt, daß wir Menschen sind — Menschen, die nur von dem leben wollen, was sie selbst erwerben, hier im Paradies kann man nur träumen und gedankenlos sein - aber öfter schon sah ich von einem Winkel aus jenseits des Waldes ein weites, ebenes Land, wo wir werden fleißig sein müssen, um dort leben zu können. Ich will dorthin gehen - will aus dem Garten Eden fortgehen, um mir mein Leben zu verdienen, willst du meine Gefährtin sein, meine Kameradin? Die alle,Mühsal und Arbe.it mit mir teilen will und nach der Arbeit mit mir froh sein? willst du das?" Eva hatte still zugehört. Langsam hatte auch sie den Ernst des Entschlusses und seine ganze Bedeutung erfaßt. Und als Adam sie anschaute, da blickte sie ihm frei in die Bugen und sagte feierlich: „Ich gehe mit dir, wohin du gehst!" Und lsand in Hand gingen die beiden ersten Menschen aus dem Paradiese, hin zur Brdeit, zum tätigen Leben. 356

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.