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Bar Kochba · 1921-06-01 · Heft 23 · p. Seite 355

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 23
Date
1921-06-01
Page
Seite 355 (sequence 3)
Language
German
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„Bitter ist das Gegenteil von süß", gelehrte sie die Schlange, „ebenso ist da» Gegenteil von Langeweile Unterhaltung, von Nichtstun Arbeit, von Dummsein Klugheit.'' Eva war ganz benommen. Solche Worte hatte sie noch nie gehdrt, nie Hatte ihr jemand solche Rätsel äufgegeden. „Und wie soll ich da» erkennen?" Kannst du mir da» sagen, liebe Schlange? wie soll ich den Unterschied herausfinden?" „G, nichts leichter als das," sagte die Schlange. „Versuchs nur und iß die gelben Paradiesapfel, dann wirst du schon langsam alles nacheinander selbst merken." Uber Eva zögerte noch. Udam hatte ihr verboten, diese Früchte zu essen: sollte sie ihm ungehorsam sein? Er wär doch immer gut zu ihr. Uber schließlich - warum sollte sie immer bloß tun was e r wollte, immer nur wissen, was e r wußte? Sie war doch auch ein Mensch so gut wie er — sie wollte mal auf eigene Verantwortung handeln und erfahren, was süß und was bitter sei. Entschlossen griff sie in das Laub hinauf, pflückte einen Upfel und biß tief hinein. Uber — was war das? Das schmeckte ja abscheulich! Eva schüttelte sich vor Schrecken und warf den Upfel wütend zur Erde. „Uber Schlange! Dazu hast du mich überredet? Das ist ja schrecklich! war ist das für ein garstiger Geschmack?" Der Schlange kleine Ueuglein funkelten vor Lift und Bosheit. „Denke nur nach, kleine dumme Lva", sagte sie, „das Gegenteil von süß ist bitter, von Nichtstun Arbeit, von Dummsein Klugheit. Uber ich sehe Udam kommen da verschwinde ich lieber." Es raschelte - die Schlange war fort. UdaM kam erhitzt Und erregt näher. Er hatte Eva überall gesucht,- nun fand er sie unter dem verbotenen Baum — wer weiß, was geschehen war! Sein erster Blick fiehl auf den angebissenen Upfel. Er wurde ganz blaß vor Schreck. - „Du hast von den verbotenen Früchten gegessen? warum tätest du das, Lva? Weshalb warst du mir ungehorsam?" Lva strich sich langsam die langen haare aus der Stirn, dann sagte sie in ungewöhnlich bestimmten Eon: „Lieber Udam, daß ich dir's nur gleich sage - diese Urt mit mir zu sprechen, mußt du dir abgewöhnen. Seif heute weiß ich erst, daß ich auch ein Mensch bin. so gut wie du, und daß du gar nicht über mich zu bestimmen hast. So! Den Upfel aß ich, weil ich erkennen wollte, was gut und was schlecht sei, was dumm und was klug ist, was langweilig und was unterhaltend. Und ich würde dir raten, es ebenso zu machen wie ich, damit du nicht der Dümmere von uns beiden' hist." Udam stand Mit offenem Munde. Er staunte. War das die kleine Eva, die Frau aus seiner Rippe, die solche Reden führte? woher um aller in der Welt stammte ihre Weisheit? „Ja aber — bist du denn nicht gestorben an dem verbotenen Upfel?" „Uber du siehst doch, — ich lebe. Und wie!- Ich glaube, ich fange erst heute an zu leben, wie gut wird mir nach diesem bitteren Upfel eine süße Drange schmecken. Und gegen die heiße Sonne mache ich Mir gleich einen Schirm aus Palmenblättern und auch eine Schürze und einen Rock, willst du auch etwas? Gder magst du weiter so bleiben wie bisher? Geh, hier iß - fei mein guter Udam - hier beiß hinein!" - 355

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