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Bar Kochba · 1921-06-01 · Heft 23 · p. Seite 354

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 23
Date
1921-06-01
Page
Seite 354 (sequence 2)
Language
German
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v o m e r s t e n m e n s ch e n p a a r , Lin Märchen von ttanny Margulies-Huerbach Unter einem hohen grünen Baum im Paradies saß Loa, das erste Weib. Ls war ein heißer, schwüler Tag, und sie suchte Schatten, - 'obwohl sie keine Uleidung trug, die ihr heiß machen konnte. Denn sie hatte gar nichts an. Ls fiehl ihr nicht ein, daß sie sich vor der heißen Sonne auch schützen könnte, indem sie ihren Körper mit Palmenblätter oder Pflanzenfasern bedeckte, - sie war noch sehr jung und un. erfahren, und da sie die erste Frau war, konnte ihr natürlich niemand einen guten Kat erteilen. Um die Wahrheit zu sagen - Loa langweilte .sich. Gerade war Kdam fort, irgendwo in einem winket des Paradieses lag er wohl und schlief, oder er nahm ein Bad in einem der vier Flüsse, die durch den Garten Eden flössen, oder vielleicht spielte er bloß mit einem hübschen bunten Vögel. Eva aber wußte nun wirklich nicht Mehr, wie sie die Zeit hinbringen sollte Sie Hatte kein Haus, das sie sauber Halten mußte, denn sie schliefen im hohen, weichen Gras unter Palmenbäumen: zu kochen brauchte sie nicht, denn die herrlichsten Früchte, Feigen, Datteln, Drangen, Knanas, Bananen, — alles wuchs fix und fertig auf den Bäumen und brauchte nur gepflückt zu werden,' zu Nicken und nähen gab es nichts, denn sie trugen beide keine Kleider, womit aber sollte sie sich den ganzen Tag beschäftigen? Sie unterhielt sich sehr gerne ein bißchen, aber Kdam hörte meist nur zu und auch das nicht lange,- und schließlich war es auch nicht sehr interessant, sich immer bloß mit Kdam zu unterhalten. Kber weiter war niemand im paradier. Und darum langweilte sich Lva. plötzlich horchte sie erstaunt auf. Line Stimme, fefner und zarter als die Kdams, klang aus dem Gebüsch, aber sie sah niemanden. Und nochmals tönte es leise: „Lva! Was tust du denn gerade unter diesem Baum?" Jetzt erst bemerkte Loa eine nette, nicht sehr große Schlange, die neben ihr im Grase raschelte. Wie? Klso Schlangen konnten auch sprechen? wie hübsch! Und ganz munter erwiderte sie: „Sch ruhe mich aus. Warum soll ich denn gerade unter diesem Baum nicht sitzen?" „Sa, weißt denn nicht, daß du von den Früchten dieses Baumes nicht essen sollst? hat dir denn Kdam das nicht gesagt?" - Jetzt erinnerte sich Loa, daß Kdam sie vor einem Baum mitten im Garten Eden gewarnt hatte, seine Früchte seien sehr schädlich, sagte er damals und es wären ja genug andere zum Essen da. Klso dies war der Baum! Loa schaute auf: große gelbe, sehr gut riechende Früchte blinkten in dem dunklen Laub. „Sch will gar nicht von dem Baum essen", sagte sie schmollend. „Sch habe schon genug von all den Kepfeln, Feigen, Bananen, - lauter weiches, süßes Zeug. Ls ist schon langweilig, all das zu essen und überhaupt ist mir das ganze Leben hier lang- . weilig. wenn ich nur wüßte, wie ich das ändern kann - ich würde es sehr gerne tun." Die Schlange kroch näher an Lvä heran. ...vielleicht kann ich dir ein wenig behilflich sein", kicherte sie. „Kdam sagt, die Früchte dieses Baumes seien schädlich. Vas stimmt nicht ganz — sie sind bloß bitter - aber meinst du nicht, daß dir das wohltun würde nach all dem Süßen, das du imMerfort schleckst?" „Bitter sind sie? Wie ist das, bitter?" fragte Lva. 354

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