Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 21
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 327 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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euch ein auserwähltes Volk, und in Wahrheit seid ihr eher ein verfluchtes Volk, denn es geht euch nicht gut, sondern ihr seid verstreut in alle Länder und unter alle Völker, werdet bedrückt und verhöhnt, oft ausgetrieben oder gar zu Tausenden hingemordet - so auserwählt seid Ihr!" Aber auch Haß ist dabei: „Diese Juden dünken sich etwas befleres als wir, sie glauben, daß Ihnen die Herrschaft über , uns gebührt, sie wollen nichts mit uns zu tun haben und glauben, daß sie etwas ganz besonderes sind." Wie ist es also mit der. „Ausekwähltheit?" Nun, die schöne Legende, die wir erzählt Haben, zeigt uns ganz deutlich, wie sie zu verstehen ist. Eigentlich hat nicht Gott Israel auserwählt, sondern das jüdische Volk selbst hat sein Zchicksal bestimmt, als es am Sinai rief: „Alles, was der Ewige reden wird, das wollen wir ausführen!" Und es hat dabei nicht gemeint, daß es ihm besier gehen solle, als den andern Völkern, sondern es hat gewußt, daß es nur mehr Pflichten übernommen hat, und daß es nicht leicht, sondern sehr, sehr schwer sein werde, diese Pflichten zu erfüllen. Und doch ist es auch wahr, daß die Thora für das jüdische Volk Heil und Rettung gewesen ist. Als Israel in die Verbannung ging,, da nahm es aus seinem Lande nichts mit, als die Erinnerung an Erez Israel und die Thora. Und als dann die langen Jahrhunderte voller Leid und Pein kamen, als die Juden in allen Ländern und unter allen Völkern furchtbar zu leiden hatten, - denkt nur an die schrecklichen Zeiten des Mittelalters oder an die Pogrome in Rußland und Polen, - da waren es nur die Thora und die Liebe zu Erez Israel, welche die Juden alles überstehen ließen. Die Thora schuf ihnen ein eigenes Leben mitten unter den Völkern, gab ihnen den Sabbath und die Feste, hieß sie für sich leben und verhinderte so, dag die Juden unter den andern Völkern aufgingen. Wo sind die alten Römer, wo sind die Griechen geblieben? Wo gibt es noch Assyrer oder Babylonier? Was wüßten wir von den alten Aegyptern, wenn nicht ihre Bauten und ihre toten Rönige von ihnen berichteten? Das jüdische Volk aber lebt, denn seine Thora hat es vor dem Untergang bewahrt. Und wenn unsere Weisen sie einen „Baum des Lebens" nennen, so werden wir ihnen heute besonders freudig zustimmen, wo wir an der Schwelle eines neuen Lebens für das jüdische Volk stehen. Denn das Chag haschawuoth wird in diesem Jahre in ganz Israel besonders freudig, gefeiert werden. Zum ersten Mal seit fast zwei Jahrtausenden begeht das jüdische Volk dieses Fest im Angesicht der Heimkehr nach Erez Israel. Wir haben schon in der letzten Nummer des Bar Rochba mitgeteilt, daß die Friedenskonferenz in 5an Remo beschlossen hat, Palästina wieder zur nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes zu machen. Das 327