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Bar Kochba · 1921-05-01 · Heft 20 · p. Seite 307

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 20
Date
1921-05-01
Page
Seite 307 (sequence 3)
Language
German
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weiterhin diese Schreine entgegenzutragen, die Köllen der Thora aber mögen künftig ap heiliger Stätte bleiben, denn es geziemt sich/ daß der Mensch zu ihr komme, statt daß man sie zu den Menschen trägt." „So sei es!" sagten die Weisen, und sö geschah es auch. Und alles wäre gut gegangen, lebte nicht am Hofe des Fürsten ein Mann, der früher Jude gewesen, dann aber vom Glauben seiner Väter abgesallen war und, wie es mit allen Abtrünnigen zu sein pflegt, sein Volk und seinen früheren Glauben mehr haßte und heftiger verfolgte, als alle andern Feinde Israels. Dem Fürsten aber war er lieb wegen seiner großen Klugheit und wegen mancherlei Künste, die er zu üben .wußte. Als er nun wieder, einmal in Gegenwart des Herrschers Schlechtes über die Juden sprach, hieß dieser ihn schweigen. „Die Juden von Sarragossa," so sagte er, „müssen rechtschaffene Leute sein, denn sie ehren ihren Fürsten mehr als irgend eine ander« meiner Völkerschaften. Ihr größtes Heiligtum, die Thora, tragen sie mir entgegen, wenn ich mich ihrem viertel nähere." „G Fürst," sprach da der Verräter, „der du in deiner Huld nicht merkst, wie diese Menschen dich verhöhnen. Nicht die Thora bringen sie dir, die leeren Schreine sind es. Meinen Kopf will ich zum Pfand geben, wenn ich gelogen habe." Da schwoll die Zornesader auf der Stirn des Fürsten, und er stieß einen Speer mit solcher Gewalt in die Hohlen des Fußbodens, daß er ihn nicht mehr herausziehen konnte. Dann erging sein Befehl an alle seine keiter, sich für de» kommenden Tag bereit zu halten. „Ich will morgen deine Rede prüfen," sagte er finster zu dem Verräter, „und du sollst an meiner Seite reitell. hast du wahr gesprochen, so sollen die Güter aller Juden von Sarragossa dein sein, sie alle müssen sterben! hast du gelogen, so liefere ich dich denen aus, die du verleumdet hast." In dieser Nacht sahen llie Wächter, die von der Gstinauer der Iudenstadt weit in dar Land hinaus spähten, das in hellem Mondschein lag, einen Mann auf das Tor zuschreiten. Tr war ein Greis, ober er schritt stolz und aufrecht einher. Als er an das Tor kam, riefen di« Wächter ihn an. „Gefsnet!" befahl er ihnen: Aber sie antworteten, es sei noch nicht einmal Mitternacht, er möge warten, bis der Hahn zum ersten'Mal krähe, kauni hatten sie das gesagt, da flog von irgendwo her ein riesiger Hahn auf die Zinne des Tores, schlug mit den Flügeln und krähte laut. Da erschraken die Wächter, und einer sagte zum andern: „Ts ist ein Sched, ein Geist, oder doch ein Mensch, der mit Geistern im Bunde ist, wir öffnen nicht." Da schlug der Greis mit seinem Stab dreimal an das Tor, und auf sprangen seine schweren ehernen Flügel, ohne zu klirren und zu dröhnen. Tr schritt hindurch, - da schlössen sie sich, wieder ohne taut. Der Greis schritt durch die stillen, menschenleeren Straße», bis er zur ersten Synagoge kam. Auf der Schwelle der Pforte schlief der Schaumes*). Der Greis berührte ihn mit dem Stabe, da erwachte er. Der Greis legte ihm. den Finger auf den Mund, da verstummte er, kein Wort vermochte er zu reden. Dann führte der Greis ihn in das Gotteshaus, öffnete die heilige Lade und befahl ihm. drei Thorarollen herauszunehmen und sie in die goldenen Schreine zu tun. Als das geschehen war, verließ er die Synagoge, ging zur zweiten, zur dritten, zur vierten. bis in allen zwölf Synagogen Sarragossasdie Thorarollen in den goldenen Schreinen lagen. Dann verschwand er. Am andere» Morgen, kaum daß der Tag erwacht war. erklang der königsrus über der Stadt. Vas Volk strömte zusammen, die Rabbiner eilten in die Synagogen, um *) Zynatzaciendiener. 307

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