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Bar Kochba · 1921-03-01 · Heft 18 · p. Seite 287

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 18
Date
1921-03-01
Page
Seite 287 (sequence 15)
Language
German
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Bei diesen Worten brach der Vater immer in Tränen aus, — er Konnte und durste seinem Schöpfer gewiß aus vollem Herzen danken, wenn er seinen Blick über die schöne Tafelrunde schweifen ließ und die junge, hübsche, Frau mit den blühenden Kindern, die kostbar geschmückt dasaßen, sah! Lr durfte sich wirklich im Vergleich zu jener Zeit der Sklaverei als .einen Fürsten betrachten. Nun folgten die Psalmen, die als hallet« gebet zusammengefaßt sind, dann nach oftmaligem Händewaschen die Erklärung, warum wir an diesem Übend die vielen bitteren Kräuter essen. Es ist zur Erinnerung daran, daß Unsere Vorfahren reich an Bitternissen waren/ und daß sie, durch die Wüste ziehend, keine andere Erquickung hätten als bittere Kräuter, hierauf brachen die Herren die mittlere der drei Mazzoth entzwei, legten die eine Hälfte unter das Polster zum „Üphiksmon" (Nachspeise) und die andere Hälfte verteilten sie in kleinen Stücken unter die Tischgenossen als „Mozi" (der Jude betet vor dem ersten Bissen Brot, vor jeder Mahlzeit). Dann aß man vom Meerrettich: erstens zu Maror, der in Tharoßeth getunkt, so rasch wie möglich verschluckt wird, da dies ohne Mazzoth geschehen muß. Dann der Korech, wieder eine Portion Meerrettich zwischen zwei Mazzothstückchen gelegt. Für jeden Brauch wird zuvor ein bestimmter Gebet gesprochen. Mit einem.Wort, man bekam an diesem Übend den Meerrettich gehörig zu spüren: und wir mußten mit Tränen in den Augen zugeben, daß das Leben unserer Vorfahren in Aegypten bitter war. Später wurden Radieschen und Eier in Salzwasser getaucht : das mundete schon besser, und endlich kam D i c tl) c i f c ii von V ' tt e « B ’ r a fc dar Übendbrot an die Reihe, das mit pfefferfischen begann, dem eine fette Brühe mn Mazzahmehlklößchen folgte und dar mit einem feinen frischen Gemüse endete. Dann bekam jeder Tischgenosse von dem aufbewahrten Üphikomon. Nun wurden die Becher aufs neue mit Wein gefüllt. Man goß sich Wasser über die Hände, was man „Majim ücherynim* nennt (letztes Wasser), wobei ein kleiner Gebet verrichtet wurde, und nun schickte man sich an, dar Tischgebet zu sagen, womit gewöhnlich einer der Herren bei Tische beehrt wurde, Am Schluß des Gebetes fiel die ganze Tischgesellschaft mit einem lauten „Anten" ein; und nachdem jeder für sich leise das Nachtischgebet mitgebetet hatte, wurden erst die Becher geleert. Und jetzt begann der zweite Teil der hagadah. 3um vierten Male füllte man die Becher. Viermal wurde quch die große silberne Kanne gefüllt, die in der Mitte auf. gestellt und für den Propheten Eliahu bestimmt war. wir Kinder glaubten fest an die volkssage. daß der Prophet Eliahu ungesehen hereinkomme und an dem Becher nippe, wir blickten daher unverwandt nach der Kanne und wenn sich die äußerste Schicht an der Oberfläche leise bewegte, waren wir überzeugt, daß der Prophet anwesend war und uns überrieselte es kalt Und heiß. Sämtliche Becher wurden gefüllt und der Vater befahl dem Diener, die Tür zu öffnen. Nun begann man das Kapitel „Sch'foch chamathcha" zu rezitieren: hierauf folgten die Schlußkapitel des Halle!. .Und zum Schluß das allegorische Liedchen „Lhad Gadja, Thad Gadja", „Ein Zicklein, ein Sickleln". Mit dielen und ähnlichen Versen fand der Sederabeno seinen Abschluß. Jeder 287

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