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Bar Kochba · 1921-03-01 · Heft 18 · p. Seite 285

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 18
Date
1921-03-01
Page
Seite 285 (sequence 13)
Language
German
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gefesselt, stehen. Die schreckliche-Vorstellung in der trefflichen Umgebung ganz besonder» von den. glühenden Steindelach im Mund. gut. Ulles blitzte und funkelte. Leibst für erpreßte uns ein leises Schluchzen, und meine das Trinkwasser waren neue Gefäße in. jüngere Schwester überredete mich, die Verwendung. Mutter doch zu interpellieren. Allein die Nun ging es an die. Toilette! Es Mutter kam uns zuvor. Ihr war unser dauerte nicht lange, so erschien meine Flüstern schon längst aufgefallen und, halb Mutter festlich gekleidet, um die Nerzen .verwundert, halb ärgerlich, fragte sie uns, anzuzünden. Sie war zur Zeit, die ich weshalb wir so ungestüm in die Küche schildere, jung und hübsch. Ihre Haltung gestürzt wären, va erzählten wir mit war bescheiden und doch selbstbewußt. Ihr kläglicher Stimme, in halben-Sätzen, was ganzes wese», ihre Augen drückten wahre, der böse Lchimen uns gesagt Hätte. Sie tiefe Kühe und Seelenfrieden aus. Sie verstand nicht recht und ward ungeduldig, dankte dem Schöpfer für die Gnade, daß Dann schrie sie plötzlich auf: „Was für er sie und ihre Lieben diesen Festtag in glühende Steindelach? Wer hat sie in den Gesundheit hatte erleben lassen! Ihre Mund genommen? Wer hat sich mit heißem Kleidung war reich wie die einer patrizerin Wasser begossen?" Nach einer langen Ausjener Tage. Aus. ihrer ganzen Art leuchtete einundersetzung erfuhr sie endlich die eigentdie vornehme, adlige Abkunft. Mancher liche Urjache unserer Besorgnis. Sie ließ von der jungen Generation wird bei dem Schimen sofort kommen und verbot ihm Wort „adliger Abkunft" spöttisch lächeln, energisch, uns, so dummes Zeug vorzuals gäbe es keinen jüdische» Adel! Freilich Ichwätzen. Uns sägte sie. wir sollten uns hat der Jude sein Adelsdiplom weder auf waschen und reine Kattunkleidchen anlegen, dem Schlachtfeld noch aus Königspalästen dann wären wir würdig, unsere Kossoth in für Heldentaten auf der großen Landstraße Empfang zu nehmen. Im Nu waren wir erworben. Den jüdische» Adel gab das angekleidet. Mit triumphierenden Mienen geistige Leben: lebendiges Talmudstudium, Mienen sprangen wir ins Eßzimmer und Liehe zu Gott und den Menschen. Und halfen nun das Geschirr abwischen. es traf sich oft, daß zu diesen Tugenden Wahrend meine Mutter Mit dem Tischauch äußerer Reichtum und Würden kamen decken und dem vorbereiten der per. Nachdem meine Mutter die Kerze» ichiedenen kleinen Symbole für die Abendangezündet hatte, verrichtete sie ein kurzes feier beschäftigt war, kam der Vater oft Gebet, bedeckte sich, wie es der krauch will, und erkundigte sich, ob nichts vergessen die Augen mit beiden Händen. Bei dieser worden sei. Zur Krönung des Werkes Gelegentzeit konnten wir die kostbaren ließ die Mutter noch einige Daunenkissen Ringe (in ihren Finger» bewundern, in und eine weiße P>keedecke Holen und denen das Kerzenlicht in allen Regenbogenbereitete für den Vater zur linken einen färben glitzerte und flimmerte. Besonders Ruhesitz, das Aessebett, ein ähnliches wurde der eine blieb mir in Erinnerung, der auf zwei Stühlen für dje jungen Männer einen großen, gelbe» Brillanten in der neben ihren-Sitzplätzen hergerichtet. Jeder Mitte Hatte, den in länglicher Form drei Winkel atmete Sauberkeit und Behaglich- Reihen weißer Brillanten umschlossen, keit, und die festliche Stimmung, die im Die Ledertafel glänzte Und strahlte. Hause herrschte, teilte sich jedem mit. der Meschores (Diener) hatte einen neuen Die Abenddämmer stiegen langsam Kaftan an. sein ganzes Auftreten atmete kernieder. Die Teestunde nahte. Wir feierliches Selbstbewußtsein, als bediente er sanken und schlürften das duftige Getränk an diesem Abend aus Liebenswürdigkeit, mit besonderem Behagen, denn er schmeckte Gefälligkeit, nicht! aus Pflicht, als fühlte 285

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