Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 17
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 259 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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D e r 3 u b e n b a u m von Peter Rosegger Zur Zeit des frommen Herzogs Ferdinand erschien in Steiermark ein Befehl, daß alle Protestanten und Juden, welche im Lande bisher gewohnt halten, entweder den katholischen Glauben annehmen oder auswandern müßten. 3u jener Zeit haben die Menschen eine sich in ihrem Geiste spiegelnde himmlische Heimat der wirklicken auf Erden vorgezogen. Damals sind die Greueltalen der Perfolgungen und Krieje noch häufig „zur Ehre Gottes" geschehen, anstatt wie später „aus Patriotismus und Liebe zur Nation." So sind denn viele der getroffenen willig aus der schönen Alpenheimat weggezogen in die ungewisse, weite Fremde, viele sind mit Gewalt vertrieben worden, manche sind zu einem Loch hinausgehuscht und zum ändern wieder hinein und haben sich in den Wäldern und Einöden des Landes armselig umhergetrieben. Vas letztere taten besonders die Israeliten gern. Sie hatten in Steiermark Handelsgeschäfte gegründet. So wollten sie sich von ihrer habe nicht trennen, und'solche, die in Städten ihre größeren Handelshäuser besaßen, bei denen einst Fürsten und Prälaten Anlehen gemacht hatten, sie verschmähten er nicht, jetzt wieder ihr Bündel von Haus zu Haus zu schleppen - rührsam und fleißig, wie die Diene neu beginnt, der man den Korb ausgehoben. - .;-v: ’ Aber die Abneigung gegen den anders gearteten Juden war da, und anstatt auch seine guten Eigenschaften zu würdigen und dieselben etwa unter den Christen einzuführen, hat man nur seine schlimmen gesehen und diese noch ausgestattet mit den ungeheuerlichsten Phantasiegebilden. Man weiß ja: der Jude vergiftet die Brunnen, raubt Lhristenkinder. um sie am Osterfeste zu schlachten -- ist das nicht genug, ihn totzuschlogen? Die Geistlichkeit hetzte, hie Behörde jagte, die Bauernschaft war die Meute, und . der Jude floh und war schutzlos unter dem Himmel Gottes. Die Dörfer, denen ein neues Jagdgesetz strenge verbot, nach den Tieren des Waldes zu fahnden, außer es wäre der gierige Wolf, der grimmige Bär, die damals noch das Land unsicher machten, — solche Dörfer, verlegten sich jetzt ausschließlich auf das Judenfangen. ' Einer der schärfsten Judenfänger war Hanns holler, der Grtsrichter von Stüba.u. Der hatte einst von einem Juden ein steiniges Ackerlein gekauft und zwar um schweres Geld, weil ihm hinterbracht worden, daß unter den Rieselsleinen des Ackers ein Schatz von eitel Gold und Edelsteinen begraben sei. Aber als er nachgrub, in tiefer Nacht Mit Schweiß und Angst nachgrub, fand sich unter den Steinen nichts, als wieder nur Gestein, und da kam er drauf: der Jude habe ihn betrogen. Seither lebte in ihm der tiefe haß gegen die Israeliten, und als nun der herzogliche Befehl herauskam, war er über alle Maßen vergnügt und hat demselben zur Ehre hernach mit eigener Hand mehr als ein halb Dutzend Juden ins Gefängnis geliefert. Da war es eines Tages, daß der Grtsrichter von Stübau allein mit seinem stattlichen Stocke vom Nachmittagsgottesdienst aus der entfernten Kirche heimging, Cr mußte durch den Göllenwald wandern und kam auf die Heide hinaus, wo nur wenige Stämmchen der Lärche standen. Und zwischen diesen Stämmchen hindurch erblickte er einen Juden. Der war auf dem Grase gehockt und hatte eben gebetet. Als er nun den stattlichen Mann gewahrte, hatte er sein Bündel allsogleich fester an sich gerissen 259