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Bar Kochba · 1921-03-01 · Heft 17 · p. Seite 260

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 17
Date
1921-03-01
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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und war in seiner flatternden Kutte dahingehascht. Der Richter setzte ihm nach and rief - so gut er der Rtem erlaubte - allerlei fromme Wünsche aus: „Du Rabenbraten, wenn ich dich bei deinem Geißbart ertappe! Meinen Haushund hast du mir vergiftet, dar zahl ich dir! mit Zinsen zahl' ich dir's, daß dich die Wölfe zerreißen! - Nuskömmst du mir nicht heut, und wenn dir dein Gott Isaaks und Jakobs zehnmal —I" Reim Gott Isaaks und Jakobs war. nun zwar der Hanns Hüller arg über eine vauMwurzel gestolpert. aber er war schon so nahe hinter dem Juden, daß dieser sah, es gäbe kein Entkommen mehr, noch Mehrmals um ein Räumlein tänzelte, dann einer alten Rotkiefer zulies. Die Rotkieser stand mitten auf der Heide und reckte ihre knorrigen, zuhalb dürren undzuhalb buschigen Aste hoch und wild in den Himmel hinein. Der Raum war weit und breit zu sehen in der Gegend und oft umkreisten Habichte seine struppige Rrone. Er ging auch eine Sage, daß die hexen, wenn sie dem Blocksberge zuritten, auf dieser alten Kiefer Rast hielten. Und was derlei Glaubensartikel der gutey alten Zeit mehr waren. Diesem Raume strebte der verfolgte Jude zu und in der Angst behendig wie ein Eichhörnchen, kletterte er mitsamt dem vündel den Stamm hinan, hoch hinan von Ast zu Rst. bis er sich oben im dichten Reisergesiechte verkroch und verwob. . Der Grtsrichter von Stübau blieb verwundert stehen, dann sagte er: „Ist mir schon recht das, ist Mir recht! Jetzt kommst mir nimmer aus, Jud! Rist schon hin." .Machte aber keine Miene, nachzuklettern. ——: „Ich warte hier nur und halte wacht," fuhr der Rauer in offener Darlegung seiner planes fort, „bis die übrigen Stüberleut' aus der Kirche kommen, dann wollen wir dich schon salben, aber nicht so, . wie der Samuel den Saul gesalbt hat! - Sie werden bald da sein." So stand nun der ehrsame Hanns am Raum zur Judenwacht und hielt den Stock fest in der Hand. Er wartete auf die Leme seines Dorfes, die den Kirchweg zurückkommen sollten, aber immer noch nicht in Sicht waren. Er war sehr still aus der Heide, gar sonntäglich still, nur ganz in der Ferne hörte man hundegebell. Der Jude oben, welcher sich eine weile gar ruhig verhalten hatte, tat jetzt den Mund auf und rief aus seinem Geäste herab: „Mir träumt, der Herr Richter steigt heut' auch noch herauf zu mir!" ' , „Dem Juden nachsteigen!" knurrte der Großbauer, „daß mich Gott behüte! Wir . kriegen dich schon anders noch herab. Wir wollen einmal eins drünterheizen!" „Gott meiner Väter!" ächzte oben der kleine Rite und zog die Reine «in, als empfinde er jetzt schon den sengenden Qualm! < Allmählich hatte sich der Himmel grau umzogen, und die Waldgegend in der weiten Runde lag schier düster da und eine schwere, einsame Stimme verkündete den nahen Abend. Der Hans holler stand an der Kiefer und schaute verdrießlich nach den Leuten aus. Allein getraute er sich mit dem Juden, der jetzt eine vorteilhafte Stellung hatte, nicht fertig zu werden. Sollten sie just Heute den viel weiteren Talweg gewählt haben? Dag nur der Teufel an diesem Tag beim Talwirt gerade eine. Tanzmusik geben muß! Da sind stundenweit um alle Reine verhert und finden nicht heim. *

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