Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 14
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2276426-2276427-2276440--227-2276779- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
BiIöcr aus 6er jti6ischen vergangenheit Aus Öen Denkwürdigkeiten der Glücke! von Hameln Glücke! vor,!)ameln. eine Hamburger Jüdin, die Ik»4e» geboren wurde, hat alt alte Zrau , ihre tebenrertnnerungen geschrieben. die eine genaue Lchtlberurg de» L. den» der Juden in damaliger -eit geben. Wit bringen hier den vericht über die Juden in k)amburg. Eine hochdeutsche Uebersehunq der Vendwürdigbetten »st im ^Jüdischen Verlag" erschienen. „Als ich noch Keine drei Jahre alt war, wurden alle*) Juden von Hamburg ausgetrieben und mußten nach Altona ziehen, das dem König von Dänemark gehört^ von dem die Juden gute Zchutzbriefe Haben. Dieses Altona ist kaum eine Viertelstunde von Hamburg entfernt. 3n Altona wären damals schon ungefähr 25 jüdische Haushaltungen: dort hatten wir auch unsere Synagoge Und unseren Friedhof. So haben wir eine zeitlang in Altona gewohnt und endlich in Hamburg durch große Bemühung erreicht, daß man den Juden in Altona Pässe gegeben hat, sodaß sie in die Stadt Hamburg gehen und dort Geschäfte treiben durste». Ein jeder Paß hat vier Wochen gegolten, man hat ihn von dem regierenden Bürgermeister in Hamburg bekommen, er hat einen Dukaten gekostet und wenn der Paß abgelaufen war, hat man wieder eine» neuen nehmen müssen. Aber aus den vier Wochen sind oft acht Wochen geworden, wenn Leute Bekanntschaft mit dem Bürgermeister oder mit. Beamten hatten. Die Leute hatten es leider Gottes sehr schwer, denn sie haben ihr ganzes Verdienst in der Stadt suchen müssen und so haben manche arme und bedürftige Leute oft gewagt, sich ohne Paß hineinzuschleichen. Wen» sie dann von veamten ertappt wurden, hat man sie ins Gefängnis gesteckt. Das hat alles viel Geld gekostet und man hat Not gehabt, 's r>. h. alt» deuljchtn tzudt», einig« pyrtu» gi»jitch« Hallen lvohnerlaubni» in Hamburg. sie wieder frei zu bekommen. Des Morgens in aller Frühe, sobald sie aus dem vethaus gekommen find, find sie in die Stadt gegangen, und gegen Abend, wenn man das Tor hat zumachen wollen, sind sie wieder nach Altona zurückgekehrt. Wenn die armen Menschen tzerausgegängen sind, sind sie oft ihres Lebens nicht sicher gewesen wegen des Judenhasses, der bei Bootsleuten, Soldaten und anderem geringem Volk herrschte, sodaß eine jede Frau Gott dankte, wenn sie ihren Mann wieder glücklich bei sich hatte. Zu jener Zeit waren Kaum vierzig Haushaltungen dort mit denen, die von Hamburg nach Altona gekommen waren. Es sind unter ihnen damals Keine besonders reichen Leute gewesen, doch jeder hat sich redlich ernährt. Als ich ungefähr zehn Jahre alt war, hat der Schwede*) mit dem König von Dänemark, — Gott erhöhe feinen Ruhm, — Krieg geführt. Ich kann nicht viel Neues darüber schreiben, weil solches in meiner Kindheit geschehen ist, als ich noch im Eheder**) habe fitzen müssen. In jener Zeit sind wir in Altona in großen Sorgen gewesen, denn es war ein sehr kalter Winter, wie er in 50 Jahren nicht vorgekommen ist,- man hat ihn den „schwedischen Winter" geheißen. Der Schwede hat damals überall hinüberkommen können, weil es so hart gefrören war. Mit' einem Mal, an einem Sabbath, ertönt das Wehgeschrei: „Vet Schwede kommt!" Es war noch früh am Morgen, alle lagen noch im Bett, da sind wir alle aus den Betten gesprungen und halb nackt nach Hamburg gelaufen und haben uns teils bei.Portugiesen, teils hei Bürgern behelfen müssen. So haben ') Karl X. ®u|(at> von Schweden, 1657 •*) jüdisch» Schule 212