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Bar Kochba · 1920-12-01 · Heft 11-12 · p. Seite 174

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 11-12
Date
1920-12-01
Page
Seite 174 (sequence 14)
Language
German
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große, warme Tücher über die Mützen »m denKopf, wir machten uns auf den weg, um Thanukkahgeld einzusammeln- Der erste Besuch galt dem Gnkel Mojsche-Bron. „Guten Morgen. Gnkel!" rufen wir, ich und mein Bruder Mottl. Tante Pessel kommt uns entgegen, eine kleine Frau mit einer schwarzen und einer weißen Bugen, braue. Tante pessel nimmt uns die Mäntel und die Tücher ab und wischt uns mit ihrer Schürze die Nasen „Schnäuzt euch!" sagt Tante pessel, „tüchtig, ordentlich! Gebt alles her! Noch! Noch! So iü's gut!' ‘ Gnkel Mojsche-Bron steht am Wasch, tisch, angetan mit einem alte.», Katzenfell, gefütterten Kaftan, auf dem Kopf ein wattiertes Käppchen, in den Ähren Watte. Tr wäscht die Hände, runzelt das Gesicht, blinzelt mit den Bugen und verrichtet fromm sein Gebet. Ich und Mottl sitzen, als hätten wir den Mund voll Wasser. Wir zittern immer vor Bngst und Kälte, wenn wir hierherkommen. Tante pessel setzt sich neben uns, faltet die Hände auf der Brust und fängt an, uns auszufragen: „Wie geht es dein Vater?" „Ganz gut." „Wie geht es der Mütter?" „Ganz gut." „habt ihr Gänse geschlachtet?" ..Za." „Und Schmalz ausgelassen?" ..Zä." „ ..Pfannkuchen gebacken?" ..Za." „War Gnkel Beüja bei euch?" ..Za." „haben sie Schack gespielt?"? ' ..Za." : ■ .. Und so weiter. Tante pessel wischte uns noch einmal die Nasen und wendet sich an den tvnkel: „Mojsche-Bron! Man muß ihnen Thanukkahgeld geben." ver tvnkel hört nicht. Tr reibt sich die Hände und spricht sein Gebet zu Ende. Tante pessel versucht, ihn noch einmal zu mahnen. „Mojsche-Bron! Thanukkahgeld für die Kinder!" „Wie? was?" fragt der Dnkel, indem er die Watte aus einem tvhr ins andere legt. „Thanukkahgeld für die Kinder!" schreit ihm Tante pessel ins tvhr. „Ti, mein Bauch, mein Bauch!" sagt Gnkel Mojsche-Bron und saßt sich mit beiden Händen an den Bauch. „Thanukkahgeld wollt ihr? wozu brauchen Kinder Geld? was wollt ihr mit dem Geld anfangen? Ihr werdet's vergeuden! Wie? wieviel Thanukkahgeld habt ihr vom Vater bekommen?" „Ich einen Rubel," sage ich, „er einen" halben.". „(Einen Rubel?!! hm ... Die Leute verwöhnen die Kinder. .. sie verderben allein ihre Kinder! was machst du mit dem Rubel? Was? Du wechselst ihn? was? Paß auf, daß du ihn nicht wechselst! hörst du, was ich dir sage? Willst du ihn wechseln?" „<Vb er ihn wechselt, oder nicht, was geht es dich an?" sagt Tante pessel. „Gib ihnen, was ihnen zukommt und mögen sie gesund weitergehen." Gnkel Mojsche-Bron begibt sich in sein Zimmer, schlurrt mit seinen Pantoffeln, sucht in allen Schubladen und Kästchen, kratzt endlich ein paar Münzen heraus und murmelt vor sich hin: ,:hm! Man verwöhnt die Kinder, man verdirbt sie ganz und gar!" Bei diesen Worten stellt er uns ein paar Kupfermünzen in die Hand. - Tante pessel wischt uns wieder, zum letzten Mal, die Nasen, zieht uns die Mäntel an, bindet uns die großen, warmen Tücher um, und wir gehen fort.

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