Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 10
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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lpohin der Golem die kranken Männer bringen ließ von Irma Zinger. Va wohnten einmal in Prag, in der Hampasgasse, vier Freunde. Ihre Wohnung bestand aus einem kleinen düsteren Zimmer und befand sich in einem kleinen Häuschen,- in dem außer ihnen niemand wohnte. Fast das ganze Jahr kamen sie aus ihrem Zimmer nicht hinaus, weil (<« alle krank waren, per eine war blind und saß auf einem Sessel am Fenster, wo er liörhe flocht. Der zweite war stumm und' halte seinen wackeligen Tisch eng ans Fenster geschoben, denn er schrieb Thorarollen ab. Der dritte, war auch sehr arg daran. Der war lahm und mußte sogar des Tages im Vett liegen. Arbeiten konnte er nicht, und so hatte er Zeit, über dies und jenes nachzudenken. Der vierte aber hatte er einen Tisch, doch auf dem lagen ganze Haufen von alten wurmigen Büchern und in diesen blätterte er den ganzen Tag. Die Würmer aus den Büchern krochen in seinen Körper und fraßen an seinen Knochen. Seine Wangen waren schmal und gelb, seine Augen trübe, und dabei dachte er, daß er das Lebenergründen wolle. Des Nachts, wenn er schlief, kam immer das Leben zu ihm, stets hgtte es ein anderes Gesicht, immer schüttelte es mit dem Kopf und lachte. - So saßen sie eines Abends, es war im Winter und die Uhr des jüdischen Kat- Hauses war schon lange am „Tel"*) vorbeigegangen als sie draußen vor der Türe ein Trampeln und Lärmen hörten. Acngstlich sahen sie einander an. wer konnte nur zu Ihnen kommen? va, ein Stoß, die Türe stürzte ein und eine große braune Gestalt schob.sich langsam und schwerfällig *) t)<broiid]fr vuthltad«, der auch di» <> bedeutet. Di* Uhr der jüdisch»» Naihause» in- Prag hat »in hebräische» 3iff*rbI<iH. herein. Ts war ein großer Mann aus Erde, mit gäiiz komischen schiefen Auge». So 'Mochte .vielleicht Adam ausgeseben haben, als der liebe Gott ihn aus Trde schuf. Daran aber dachten die vier Freunde nicht, denn sie waren alle starr vor Schrecken und. wußten nicht, wer das fei. Der aber, der das Lebe» ergründen wollte, rief plötzlich: „ Da; ist der Golem!" Da nickte die graue Gestalt und machte eine ungeschickte Bewegung mit dem Munde Endlich gelang es dem Golem, seinen breiten Mund auszumacken und mit großer Anstrengung erzählte er nun: „wie Du mich gut kennst, Mensch!" Bei jedem Worte hörte man dgs Ausein. anderschlagcn des großen Gaumens: Macht aber nicht so erstaunte Augen, ich will Tuch allen gleich erzählen warum ich komme Fürchtet Tuch nicht vor mir; denn ich bin schon alt und zum Schlagen Und Beißen habe ich keine Kraft mehr." Da kamen die Drei näherzu ihm und der Lahme in seinem Bette spitzte die Dhren. Der Golem aber erzählte weiter: „Das wußtet Ihr freilich nicht daß ich hier in diesem Hause tief unten im Keller gelegen bin. Denn damals, . als mich mein Meister, der hohe Kabln Low, schuf, wohnte er hier, und als er mir den „Schem"'j aus dem Munde nahm, und mich für ganz tot hielt, ließ er mich hinunter in den Keller bringen, wo. ich für immer liegen bleiben sollte. Damals aber geschah etwas. Der Buchstabe „Thet" blieb oben an meinem Gaume» kleben und der be "deutet „ThajiM" das Leben. Und weil auch in diesem Buchstaben eine hohe Kraft liegt, zwingt er mich, einmal in hundert Jahren zu leben. Doch ich bin müde und alt, und meine Fuße sind schon *) Goltcrnamen, Der auf einem 3>ltel liomv und dem Golem menjchllche 'Kräfte verlieb 149