Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 10
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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halb zerfallen, aber ich mutz einmal in hundert Jahren herumgehen, weil eben in ‘ diesem Buchstaben auch der lville her üabbi liegt über ich kann erlöst werden. Menn ich jemandem, der es nötig hat, . Leben, wirkliches Leben schenke, darf ich sterben. Deshalb kam ich,' denn ich will durch Luch erlöst werden." Da machten alle drei große Üugen, der Blinde aber wünschte heiß ein neues Leben herbei. Der Golem sah nun, datz die hier sehr gern ein schönes Leben möchten und sagte nur zu ihnen: „Kommet mit, denn hier in dieser Stabt ist es nicht, doch unten wartet mein Gespann, und das soll Euch in das Land des Lebens bringen." Dann ging er selbst zu dem Lahmen, nahm ihn in seine starken braunen ürme und sie gingen hinaus. Zuerst der Stumme, der den Blinden führte, und dann der, der das Leben ergründen wollte, und er trug ein dickes Buch unter dem ürm. üls iie Hinaustralen, war es in der hampasgasse finster, und das Stückchen L)immel, das sichtbar war, war ganz voll von Sternen. Da pfiff der Golem und sieh! aus dem Boden wuchs ein Magen aus brauner Erde und auf einen zweite» Pfiff kam rin Pferdepaar mit grotzen Flügel», das sich von selbst zu. dem Magen stellte, vor dem Golem neigte» die geflügelten ü-össe dreimal den Kopf. Der Golem setzte alle in den Mage», flüsterte den Pferde» etwas ins Ghr und sagte zu den vier Freunde,n „Lrlöset mich und Luch." Dan» ging er mit breitem, schwerem Schritt in da; l)aus zurück. Nun breiteten die Pferde langsam ihre Zlüge! aus, der Magen mit den vier freunden hob sich von der Erde, und nun schwebte er mitsamt de» freunden durch die Nacht Die sahen wohl nicht mehr die Erde unten, doch immer, wenn sie einen Stern streiften, hörten sie ein wunderbare; Singen und jeder Stern sang ein anderes Lied, üuch am Blond flogen sie vorbei und konnten sogar die Menschen mit den drei Zützen gut sehen. Ja, das war eine lustige Fahrt. Und denkt Luch nur, die ganze Nacht ging es so. Venn unsere Freunde nicht gar so krank ge. wesen wären, ich wette, sie Hätten sich sogar gefreut. - Üls der Morgen dämmerte, senkten sich die Bosse und flogen herab. Jetzt konnten drei von den Freunden schon ganz gut ein wunderbares blaues Meer erkennen und Wälder und Miesen. Da ging über dem Meer golden die Sonne auf, die Bosse senkten sich zur Erdeder Wagen stand fest und mit unfern Freunden, geschah etwas Sonderbares. '’ Das Land war in Sonnenlicht, die Sonne selbst kam eben srischgewaschen aus dem Meere hervor und lachte hinüber auf die Berge, üuf dem einen Berg stand mitten unter blühenden Gärten eine schimmernde Burg und um ihre Zinnen, spielten die Sonnenstrahlen. In dem Tal grünten die Felder. Lin Bauer stand bei seinem Pflug und sang ein schönes Lied. Neben ihm stand ein zweiter Pflug und schien aus jemanden zu warten. In der Luft sangen Lerchen, , und man hörte Lieder aus der Ferne. ■ Da züchte der Lahme zusammen. Der Magen war verschwunden. . Über was war das? Lr konnte stehen, fest stehen. Lr fühlte, wie aus der Erde, auf der er stand, Kraft in seine kranken Fütze kam. Lr hob einen, er hob den zweiten Futz - und er konnte gehen.. - Der Blinde stand mit dem Gesicht zur Sonne und sieh, ein kleiner Strahl stahl sich in seine üuge». tlnd der Strahl wurde größer und größer und da er glaubte es selber nicht -- da sah er und sah das blaue schimmernde Meer, die Sonne und das ganze schöne Land. Lr weinte still vor Freude. Der Stumme sah all die Schönheit. hörte das Jubeln der Lerchen und die Lieder der Bauern und feine eigene Freude drängte aus ihm, er versuchte auch ein Lied zu singen, es ging, und es