Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 51.1938
- Date
- 1938-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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Die Bezeichnung einer Dezision durch Ausschluß des nichtrezipierten Autors erfolgt zumeist in solchen Fällen, in denen irgendwelche Nebenursachen oder irreführende Anhaltspunkte dazu verleiten könnten, dem abzulehnenden Autor den Vorrang zu geben. Die negative Halacha hat zwei Hauplkategorien: in die erste gehören die von vornherein vereinzelt gebliebenen Lehrmeinungen und Anschauungen; in die zweite hingegen Lehrsätze, die früher wohl die Praxis beherrscht haben mögen, die aber später — besonders infolge veränderter Zeitverhältnisse — einer Revision unterzogen wurden. — Es folgen dann noch negative Dezisionen, die gegen Autoren- oder Tradentengruppen gerichtet sind und schließlich Kontroversen über Dezisionen und Varianten. a) Vereinzelt gebliebene Meinungen. Vorbemerkung: Bevor wir auf die negativen Dezisionen näher eingehen, wollen wir auf eine besondere Kategorie talmudischer Materien hinweisen, die ihrer äußeren Form nach wohl zur Halacha gehören, die aber ihrem Gehalt nach als Fremdstoff empfunden wurden. Dies sind teils mystische, teils folkloristische Elemente, Parsismen und sonstige magisch orieutierte Auffassungen, die in manche Schuldiskussion eingeflossen sind, die aber von den führenden Persönlichkeiten, insbesondere von den Redaktoren des Talmuds, nicht ernst genommen wurden. Die genannten Materien gehören gleichsam von Haus aus in die Kategorie der negativen Halacha, d. h. sie wurden in dezisorischer Hinsicht kaum beachtet, zum weitgrößten Teil ganz vernachlässigt. Äußerlich ist dies dadurch kenntlich, daß in den folkioristischen und transzendentalen Talmudtexten der Ausdruck „Halacha" auch in dezisorischem Sinne nur äußerst selten vorkommt, und in den wenigen Einzelfällen wahrscheinlich auch nur einen späteren Zusatz bildet. Wohl hat das Fortbleiben des Ausdrucks „Halacha" etwas rein Äußerliches an sich, dem nicht viel Beweiskraft innewohnt. Es kommt jedoch noch ein Zweites hinzu, die Tatsache, daß in der nachtalmudi- 10