Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 51.1938
- Date
- 1938-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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heitsbewußtseiu, das seine besten Kräfte aus der Idee der Gesetzeseinheit schöpfte, erwuchsen immer neuere Schwierigkeiten, die zunächst auf dem Gebiete der Gesetzesnormierung ihren Ausdruck fanden. Man bediente sich mannigfacher Mittel, um eine Verständigung herbeizuführen. Oft wurden Abstimmungen auch unter Angehörigen verschiedener Schulen vorgenommen. Diesem Zwecke dienten auch verschiedene gelegentliche Zusammenkünfte. Auch an Verständigungen durch Briefe fehlte es nicht3). Doch haben die erstmaligen Dezisionsarbeiten keine endgültige Normierung der Gesetze zuwege gebracht*). Abgesehen davon, daß die sich stets ändernden Zeitverhältnisse Ergänzung und Entwicklung der Gesetze fordern, ergab sich die Notwendigkeit für neuere Entscheidungsarbeit auch noch von der früheren Dezisionstätigkeit her. Ein guter Teil der älteren Entscheidungen konnte schon deshalb für die Dauer nicht unberührt bleiben, weil ihnen die Einheitlichkeit fehlte; ein großer Teil halachischer Bestimmungen war nämlich von vornherein schulmäßig oder örtlich begrenzt. Man denke an die Schulen des Schammai und Hillel, die schon vor der Zerstörung des Tempels auch in der Praxis dualistisch einhergingen, und sich auch noch nachher eine geraume Zeit behaupteten. Das Diaspora-Judentum war noch einer viel tieferen Zerklüftung ausgesetzt. Die ersten Normierungen waren also zu einem wesentlichen Teil nach Schulen und Gegenden verschieden bzw. geradezu einander entgegengesetzt. Die zeit- und ort-» gebundenen Differenzen schwanden aber für die Nachwelt, und man hatte sich nun von neuem zu entscheiden, welcher Schule und welcher Autorität man zu folgen habe. Diese erneute Dezisionsarbeit hat schon früh eingesetzt, wie uns das Beispiel der Kontroversen zwischen den Schammaiten und Hilleliten zeigt, die schon in Jabne — zumindest prinzipiell — beigelegt wurden. Über die Unvollständigkeit der Lösung wollen wir an anderer Stolle sprechen. *) Vgl. M. Guttmann..Mafteach Hatalmud I, 488—491. <) S. Anm. 2. 6