Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 50.1936
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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untertänige Gesuch an den König zu richten, „ihm eine Existenz zu geben, die ihm erlaubte, sich ganz der Wissenschaft zu widmen, eine Anstellung oder eine Beschäftigung, bei welcher er im Interesse seiner Studien und Arbeiten reisen, lehren, schreiben könnte"32). Auch diesmal erhielt er eine Absage, aber die Sache .der Juden stand auf der Tagesordnung, der Vereinigte Preußische Landtag empfahl gelegentlich der Beratung des Gesetzes über die Verhältnisse der Juden der Regierung, „an irgendeiner Universität des Landes einen Lehrstuhl für jüdische Theologie einzurichten". Das war nicht ganz nach dem Geschmack von Zunz, Theologie gehörte zu den Begriffen, die er verabscheute. Allein von sich aus stellte er am 25. Juli 1848. an den Kultusminister den Antrag, an der Berliner Universität eine ordentliche Professur für Jüdische Geschichte und Literatur zu errichten33). Bezeichnend ist die Begründung dieses Antrags, die lediglich vom Interesse des Staates ausgeht, vom Fehlen einer Belehrung über Wissenschaft des Judentums dort, wo die künftigen Beamten und Gesetzgeber ihre Vorbildung erhalten. „Dem Leben und der Wissenschaft, dem Recht und der Geschichte werden hierdurch Unbilden zugefügt ... es scheint daher den sozialen wie den wissenschaftlichen Interessen gleich förderlich, wenn der Staat fortan die Kenntnis jüdischer Geschichte und Literatur als zu dem Bereich der historischen und philosophischen Disziplinen gehörend betrachten würde." Die philosophische Fakultät der Universität, die sich gutachtlich zu dem Antrag zu äußern hatte, stellte Zunz' umfassenden Kenntnissen und literarischer Tätigkeit ein ehrenvolles Zeugnis aus und rühmte seinen „Eifer im Sinne der erweiterten Freiheit die Literatur und Geschichte des jüdischen Volkes in eine heilsame Wechselwirkung mit der allgemeinen Wissenschaft zu setzen und sie daher in den Verband der Universität als gleichberechtigtes Glied einzureihen. Die Fakultät erkennt die zum Grunde liegende Gesinnung gebührend an" — aber sie nennt zahlreiche Gründe, die es ihr unmöglich machen, mehr als eine Habilitation als Privatdozent für jüdische Geschichte und Literatur zu empfehlen. 1850 lag dem Minister ein Antrag der Vcitel-Hcinc-Ephraim-Stiftung vor, aus ihren Einkünften eine Professur für rabbinische Literatur an. der Berliner Universität zu errichten, und die philosophische Fakultät lehnte ihn mit ganz ähnlichen Gründen ab34). Man führt auch diesen Antrag auf Zunz' Initiative zurück, grundsätzlich blieb er diesem Standpunkt treu, daß jüdisches Wissen, wenn es nicht Sentimentalität, sondern Wissenschaft sein sollte, nicht losgelöst werden durfte von der all- 28