Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 50.1936
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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hochstehenden Anstalten, nach denen er gerufen hatte. Eine Aussicht auf eine solche eröffnete Ludwig Philippsons Propaganda für die Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät2»), aher Zunz blieb kalt und skeptisch. „An die Verwirklichung einer großartigen jüdischen Fakultät glaube ich nicht. Man muß also schon resignieren und für die Idee, das ist für die Zukunft arbeiten." „Die Fakultät anlangend, so möchte ich ein unabhängiges wissenschaftliches Institut sehr gern, aber dies gedeiht nicht; man benutzt den guten Willen und Eifer, um faule theologische Behörden und Ignoranten zu placieren." Sein Freund Isler, der für den Plan begeistert war, zwang ihn, Farbe zu bekennen, was in den folgenden drastischen Ausführungen geschah: „Warum ich über die projektierte Fakultät nichts sage? — weil ich nicht entmutigen will; denn ich habe keinen Glauben daran. Alle, die jetzt dafür sprechen, werden doppelt getäuscht werden: erstlich wird gar nichts daraus, zweitens ganz etwas anderes in jedem Falle, als die Teilnehmer im Sinne haben, d. h. entweder noch ein Deutsch-Prediger, oder ein Raw wie Hirsch, oder — dies glaube ich aber nicht einmal — ein Professor, der als Theologe auf Juden und Judentum ohne Einfluß ist. Was nutzen die .sogenannten Konsistorien in Frankreich? Administrative ßchörden sind es, und Gott behüte uns vor Pfaffcngewalt. Es scheint mir aber, daß Sie große Hoffnungen haben und einen Aufsatz üher den Gegenstand schreiben wollen; lassen Sie sich durch mich nicht abschrecken, vielleicht lebe ich unter dem Einfluß der vielen Täuschungen, die ich erfahren. Die Rede des Iloldheim30), die er mir zugeschickt, hat mich sehr gefreut, weil Begeisterung wohltut; aber ich teile diese Hoffnungen nicht. Ein Schisma wäre das größte Übel, da desson Anhänger unrettbar dem Christentum zufallen. Wie nun eine theologische Fakultät, die Loben hat, der Zeit angehört, schaffen? In welcher Stadt soll sie sein? Doch es kommt weder Geld noch Eintracht zusammen. Dixi.** Hier lernen wir den ganzen Zunz kennen — in seiner Skepsis und in seiner Schroffheit. Während er von einer isolierten jüdischen Fakultät nichts wissen wollte, setzte er alle Hoffnung auf den Staat und seine Universitäten. Dem neuen König Friedrich Wilhelm IV. nahte er mit einem Huldigungsschreiben und legte „das Schicksal einer verlassenen, noch so oft mißhandelten Literatur vertrauensvoll in die Hände eines freie Entwicklung der Wissenschaft wollenden Monarchen, daß die königliche Anerkennung sie starke und sie adele"31). Er erhielt einen ablehnenden Bescheid, der ihn nicht hinderte, drei Jahre später das 27