Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 50.1936
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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gedruckt oder greifbar existierte. Zunz hat eben das Wunder vollbracht, Hunderte von Manuskripten und seltenen Drucken aufzustöbern, zu durchforschen und zu verarbeiten; sein Bienenfleiß und sein klarer Blick haben ein umfangreiches Gebiet jüdischen geistigen und religiösen Lebens erhellt, das vorher so gut wie unbekannt war. l:nd das ist die Signatur seines Schaffens überhaupt, daß er die Bahnen gebrochen hat, die andere nach ihm bequem durchschreiten konnten. IV. Wäre sein Wort befolgt worden, so hatte die Wissenschaft des Judentums die Organe zur Sicherung ihrer kontinuierlichen Pflege erhalten. Er wurde nicht gehört, auch auf diesem Gebiete war ihm kein Erfolg beschieden. Seine Zeitsclirift hatte es nicht über einen Band gebracht. Bicßcrs Zeitschrift „Der Jude" hieß er willkommen, er umriß sogar ein ganzes Programm dafür2H). „die Juden bedürfen der körnigen Nahrung, bei dem vielen Stroh, das ihnen gereicht wird". Der wissenschaftlichen Forschung war erst Geigers „Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie" gewidmet. Zunz verhielt sich abwartend. „Geigers Zeitschrift zeigt mehr guten Willen als Kraft, doch wünsche ich, daß sie Fortgang habe, denn es fehlt <lm Juden ein solches Organ. Leider gibt's keinen Gelehrtenstand, der sie tragt und erhall, denn Schulen und Babbinate sind kein lockendes Feld für die Gelehrten." Seine Voraussage bewahrheitete sich, die Zeitschrift hatte kein langes Leben, und er vermißte dann ihr Erscheinen schmerzlich, „eine gute wissenschaftliche Zeitschrift für Juden und jüdische Literatur fehlt ganz und gar, die Rabbonim werden gänzlich unbrauchbar". Was an Beilagen zu den jüdischen Wochenschriften erschien, sagte ihm nicht zu, und mit Z. Frankel, der später eine Zeitschrift von Dauer begründete, stand er so schlecht, daß eine Mitarbeit für ihn nicht in Erage kam. Durch das lebendige Wort zu wirken, war ihm nur selten beschieden; mit welchem Emst er solche Gelegenheiten ergriff, zeigen seine sorgfältigen Vorbereitungen. 1835 hielt er Vorlesungen über das geschichtliche Verständnis der Psalmen, vor einem erlesenen Publikum — er hat die Namen der Teilnehmer genau aufgezeichnet. 1850/51 las er auf Veranlassung des Studienvereins über „Jüdische Literatur". 1S52/53 hielt er 34 Vorlesungen über Wissenschaft des Judentums, die „die Berliner so gütig sind, unentgeltlich bei mir zu hören". Das waren zufällige, gelegentliche Veranstaltungen, das waren nicht die 26