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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1936-01-01 · 50.1936 · page 25

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
50.1936
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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IRI
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ermöglicht Nie ist ihm dieser Wunsch erfüllt worden, aber er hat doch für kürzere Zeit diese Seligkeit genossen, 1846 das Britische Museum, ein Jahrzehnt später Paris und Oxford und wieder eines später Italien besuchen können20). Bis ihm diese Gunst zuteil wurde, mußte er sich mit den deutschen Bibliotheken begnügen, die ihm erreichbar waren. Vor allem zog ihn Hamburg immer wieder an, neben der Stadtbibliothek die Sammlung seines Freundes Chaim Michael, deren gelehrter Besitzer ihn auch jederzeit mit allen gewünschten Auskünften versah. Diesen Schatz wollte er nur zu gern in Deutschland erhalten; aber seine Eingabe an den preußischen Kultusminister blieb ohne Erfolg, der Pariser Rothschild, dem Zunz gern die Schaffung einer großen jüdischen Bibliothek und die Beschäftigung eines gelehrten Bibliothekars als würdige Aufgabe zugewiesen hätte, rührte keinen Finger — die Bibliothek wanderte wie vorher die Oppenheimersche nach Oxford27). Unter wie schwierigen Verhältnissen ein jüdischer Gelehrter damals arbeiten mußte, wie wenig Hilfsmittel ihm zu Gebote standen, davon macht man sich heute keine Vorstellung. Selbst in einem Kulturzentrum wie Berlin waren die einfachsten hebräischen Bücher oft nicht zu finden. Seit 1S37 beschäftigte Zunz der Plan zur Bearbeitung der synagogalen Poesie, und nun mußte er ständig seine Freunde in Bewegung setzen, damit sie ihm Bücher liturgischen Inhalts beschafften oder auszogen. Es sind keineswegs Seltenheiten, nach denen er fragt, eine an Hebraicis durchaus nicht reichhaltige Bibliothek wie die Wolfenbüttlcr kann sie vielfach liofern, aber in seiner Umgebung fehlen sie völlig, und daß niemand dies als Mangel empfindet, daß unter all den vermögenden Juden, die für Aufklärung schwärmen und nach Bildung lechzen, keiner ist, der für die vernachlässigt« jüdische Literatur ein Herz hat, das bleibt der Schmerz, der an Zunz zehrt, den er nie verwindet. Ihn haben diese Hindernisse wohl auf-, doch nicht von der Arbeit zurückgehalten, aber welche Bedeutung mancher Aufsatz in seinem Buche „Zur Geschichte und Literatur" für seine Zeit hatte, versteht man erst, wenn man sich die Leere vergegenwärtigt, die er angetroffen. Daß solche „mechanische" Zusammenstellungen Selbstverständlichkeiten wurden, das ist eine der nachhaltigsten Wirkungen der Zunzschen Forschungen. Volle dreißig Jahre hat es gedauert, bis sein Werk über die synagogale Poesie abgeschlossen war. Steinschneider, einer seiner wenigen Getreuen bis in den Tod, bemerkt einmal spöttelnd, Zunz habe die Geschichte einer Literatur geschrieben, die gar nicht existierte — er meinte, nicht 25

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