Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 50.1936
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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waren reich an neuen Tatsachen und voller Anregungen, sie wurden richtunggebend für weitere Arbeiten. Ihm selbst weitete sich während der Forschung der Horizont, „täglich mehr sehe ich die Größe der Wissenschaft des Judentums ein, und die Unwissenheit unserer gegenwärtigen Schreiber". „Überhaupt habe ich seit 6—7 Jahren so viele, großenteils unbekannte, unbemerkte und unbenutzte Materialien und Gedanken gesammelt, daß ich sie, was den Stoff betrifft, nicht mehr übersehen kann"22). Er entwirft, trotzdem er „des Vormittags diri- und des Nachmittags redigiert" und manchmal monatelang nicht dazu kommt, „einen Zug zu tun, der den Namen eines wissenschaftliche» Studii verdient", die Umrisse eines aus vier Abteilungen bestehenden Buches zur Wissenschaft des Judentums; der Inhalt ist offenbar an den Enzyklopädien für die Altertumswissenschaft orientiert, er laßt zunächst noch die Strenge der Einteilung und Abgrenzung vermissen23). Einige Jahre spater beabsichtigt er, eine Einleitung in die Wissenschaft des Judentums zu schreiben, Heinrich Heine führte ihn bei Cotta ein (1829), aber der Plan kam nicht zur Ausführung2*). Doch die Einzelarbeit setzte der Gelehrte trotz aller beruflichen Inanspruchnahme emsig fort. Der Besuch der Oppenheimerschen Bibliothek in Hamburg (1828) wurde zu einem aufwühlenden Erlebnis; er brachte reiche Ausbeute, festigte die Zuversicht in den neuen Weg und gab den entscheidenden Anstoß zur Inangriffnahme eines umfassenden Werkes, „das dem Schlendrian über jüdische Literatur den Todesstoß versetzen wird". „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden" setzten die gelehrte Welt in Erstaunen, „seit Spinozas Tagen ist kein so gutes und gründliches Werk von einem Juden geschrieben worden", urteilte der Philo-Forscher Gfrörcr"). Die Wissenschaft des Judentums hatte ihr klassisches Werk. Die Arbeit des Gelehrten geht weiter, die Forschung gibt neue Probleme auf, die Mehrung des Wissens mehrt das Verlangen nach neuem Wissen; in schöpferischer Genialität sieht er immer neue Aufgaben, faßt er neue Hoffnungen. Der Wissensdurst wäre in Bibliotheken des Auslands zu stillen, Zunz seufzt nach geeigneten Korrespondenten an den Stätten reicher Bücher- und Handschriften- Sammlungen, verschafft sich, wo er sie hat, Auskünfte aus unbekannten Werken. „Ich habe vor, viele Werke zu schreiben, muß aber dazu viele Reisen machen." Er träumt von den großen Bibliotheken in Paris und Oxford, ihr Besuch bleibt lange Zeit das Ziel unerfüllter Sehnsucht Es ist nicht viel, was er vom Leben verlangt, ein bescheidenes Gehalt, das ihm die erforderlichen Forschungsreisen 2lt