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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1936-01-01 · 50.1936 · page 22

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
50.1936
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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IRI
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Ergebnis erzielen zu können20). Gleichzeitig mußte er es erleben, wie die politische Reaktion immer weitere Fortschritte machte und alle- Erwartungen auf den Durchbruch von Freiheit und Demokratie, um den er heiß bemüht war, zerstörte! Auch seine Stellung zu den religiösen Kämpfen, seine Selbständigkeit gegenüber der Reformbewcgung wurde nicht verstanden und arg mißdeutet! Zunz war zutiefst von Gemeinsinn und Tatendrang erfüllt, als daß die Mißerfolge ihn seinen Bestrebungen untreu gemacht hätten. Aber daß er keine Resonanz fand, das erbitterte ihn. Er war gegen Anerkennung nicht gleichgültig, notierte sorgfältig, wo sein Name in Ehren genannt und wo er verschwiegen oder gar herabgesetzt war, und seine schlimmen Erfahrungen machten ihn nur empfindlicher. Er war seinen jüdischen Zeitgenossen nicht nur überlegen, sondern auch weit voraus, er hatte das Schwanken der Übergangszeit überwunden und sich zu jener unerschütterlichen Unwandelbarkeit durchgerungen, die H. Heine an ihm bewunderte. Er begnügte sich nicht mit Worten, sondern verlangte Taten, beruhigte sich nicht bei Programmen, sondern forderte Verwirklichung, sah nicht das Heil in der Emanzipation des Bürgers und in der äußeren Verfeinerung, erstrebte vielmehr die Emanzipation des jüdischen Menschen und seine Erziehung zur religiösen Innerlichkeit. Er scheute sich auch nicht, die Mittelmäßigkeit, die sich überall breit machte, offen als solche zu kennzeichnen, die Lauheit zu geißeln, die so viele wertvolle Ansätze verkümmern ließ, die Negation zu verwerfen, die nur im Widerspruch gegen das Alte sich erschöpfte. Ein solcher Mitarbeiter war unbequem für ein Geschlecht, das sich an Worten berauschte und kleine Zugeständnisse als große Erfolge buchte. Sein Schicksal war das übliche Prophetenschicksal, das Los aller, die ihrer Zeit vorauseilten, aber dazu war er zu sensibel, um es in historischer Abgeklärtheit zu betrachten und nicht den Stachel im Innern zu fühlen. III. Alle diese Erlebnisse betreffen die Voraussetzungen für Zunz' Leben, nicht sein Leben selbst. Dieses war die Arbeit an der Wissenschaft des Judentums. Nicht von Anfang an war Zunz ihr verbunden, diese Liebe hat sich langsam entwickelt, nur allmählich hat er die Wissenschaft des Judentums und die Wissenschaft des Judentums ihn gefunden. Während seiner Universitätsstudien stand das Interesse an den mathematisch-naturwissenschaftlichen und den klassisch-philologischen Vorlesungen im Vordergrunde, er plante eine 22

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