Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 50.1936
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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ihn gegen etwaige verunglimpfende Urteile rechtfertigen, die ich als völlig wertlos betrachten muß." Diese deutliche Sprache half nichts, die Schule der Gemeinde blieb wie „bei ihrem Beginn einer schwachen Existenz preisgegeben". Dieser Verstandnislosigkeit seiner Zeit und dem Versagen der Berliner insbesondere gelten die ernsten Mahnungen in der Vorrede zu den Gottesdienstlichen Vorträgen der Juden16), wo er die Fortschritte der -neuen Zeit in Wissenschaft und Erziehung, im Glauben, in Ideen, Bedürfnissen und Hoffnungen rühmt und fortfährt: „Aber es bedarf noch der schützenden Anstalt, die dem Fortschritt und der Wissenschaft eine Grundlage, der Gemeinde ein religiöser Mittelpunkt werde. Für die physische, die polizeiliche Vegetation jüdischer Gemeinden sorgen Lazarette und Waisenhäuser, Armenanstaltcn und Begräbnisplätze: aber Religion und Wissenschaft, bürgerliche Freiheit, intellektuelles Fortschreiten fordern Schulen, Seminarien und Gotteshauser ... Wenn Emanzipation und Wissenschaft kein leerer Schall sein sollen, keine feile gleisnerische Modeware, sondern die Lebensquelle der Sittlichkeit, die wir nach langer Irrfahrt in den Wüsten wieder gefunden: so muß sie Institutionen befruchten." Einen positiven Erfolg hatte auch diese Mahnung nicht, die goltesdienstiiehen Vorträge erlangten zwar Weltruhm, aber ihren Verfasser ließ man in drückendsten Nahrungssorgen leben. „Hier ekelt mich alles an, auch kann ich es nicht länger so aushalten. Der kleine Vorrat geht zu Ende und kein reicher Jude unterstützt die Wissenschaft. Ich hatte das früher nicht geglaubt, daß ein Mensch, der etwas gelernt hat, so schwer den kümmerlichen Unterhalt findet", so entfährt es seiner Verzweiflung am 20. Juli 1833"). Gegen seinen Willen bewarb er sich um das Rabbinat in Darmstadt, bewundernde Anerkennung seiner Verehrer und seine schon damals anerkannten Werke unterstützten seine Bewerbung — da brachte ihn ein unsinniger gehässiger Brief zu Falle, in dem einer der altmodischen Rabbiner von Berlin seine Werke als „Exzerpte, welche durchaus mit dem eigentlichen Studium im Talmud und den Poskim in keiner Berührung stehen", kennzeichnete! Zunz hatte von solchen Bewerbungen genügt Daß er wenige Monate später die Predigerstelle in Prag annahm — er hatte der Bewerbung 92 Dokumente, gedruckte und geschriebene, beifügen können — zeigt die Schwierigkeit seiner Lage; daß er sie sofort wieder aufgab, die Unhaltbarkeit des Amtes. Wie er sich damals nach Berlin zurücksehnte, so scheint man auch 20