Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 50.1936
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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leicht eine halbe Mandel". Dieses kecke Urteil, das aus dem ersten Eindruck des Einundzwanzig jährigen hervorging, blieb tief haften, da der Abstand zwischen Schein und Sein immer wieder hervortrat. Voller Begeisterung sah er auf die „Deutsche Synagoge", hier erblickte er Arbeit für die Zukunft, an der er bereitwillig seinen Anteil leisten wollte. Er fand hier Anstellung als Prediger. Man bewunderte seine Rednergabe, doch seine „Predigten sagten unverhohlen, was jetzt den Juden, was insonderheit uns hier nottue, von einseitiger Parteilichkeit unbestochen". Und der unerbittliche Mahner ward lastig. Das hielt ihn nicht zurück, weiter offen die vorhandenen Schaden zu geißeln, auf den deutlichen Verfall des Gotteshauses hinzuweisen und schließlich die Flucht in die Öffentlichkeit zu ergreifen, seine Predigten zu drucken als Anklage gegen diejenigen, „welche, nachdem sie den Verfall der hiesigen Synagoge herbeigeführt und die Stimme der Wahrheit verachtet halten, von häßlichen Leidenschaften gestachelt, durch ihre Kränkungen und ihren Aberwitz mich dahin brachten, daß ich es meiner Ehre, meinen Grundsätzen, meinem Gewissen, ja selbst dem Wohle des Ganzen für angemessen erachtete, meine Predigerstclle, trotz Einkommen und Eitelkeit, niederzulegen und andere Felder aufzusuchen, woselbst ich, nach Kräften und unbeeinträchtigt, für meine Glaubensgenossen wirksam sein dürfte ... Möge denn dieses Büchlein einiges dazu beitragen, daß ein würdiges Gotteshaus und eine würdige Schule in der einträchtigen jüdischen Gemeinde Berlins endlich erstehen"14). Keiner dieser Wünsche fand Erfüllung: weder kehrte die Eintracht ein noch erstand Gotteshaus oder Schule. Wiederholt hatte Zunz auf" die beschämenden Mängel der Berliner jüdischen Schuleinrichtungen hingewiesen und, ungeachtet aller Bedenken, sich für den Neubau des Schulwesens und die interimistische Direktion (seit 1826) zur Verfügung gestellt, auch ungeachtet aller Widerwärtigkeiten in dieser Stelle ausgeharrt. Als es aber 1829 endlich zur Schaffung eines Definitivums kam, standen sofort die Wühler gegen ihn auf, die ihn um jeden Einfluß auf die Gestaltung der Schule bringen wollten. In diesem Kampfe hat Moritz Moser, dessen Herz „durchglüht war von der Sehnsucht, das Wissen zu vorwirklichen in teilnahmsvolle Tat", für Zunz Zeugnis abgelegt14): „In ihm vereinigt sich die tiefe Einsicht, der feste, tatkräftige Wille, die gemeinnützige Gesinnung mit der besonderen Sachkenntnis und Erfahrung, welche er in seiner bisherigen Stellung zu der Gemeindeschule erworben hat Ich will hier seine Leistungen für letztere nicht hervorheben noch weniger 2» 19