Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 50.1936
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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weisen viel Humor auf und machten dem Verfasser wie seinen Freunden offenbar Freude. II. In ihnen bewährt er sich als der gute Kamerad, der Geselligkeit und Frohsinn liebte und durch den eigenen Humor förderte. Als im Umgang sehr unterhaltender Mann voller Witz, lebte er auch in der Erinnerung von Studiengenossen fort11). Spater galt er meist als zurückhaltend und abweisend, sogar als barsch und rauh, sein Witz schlug leicht in Spott und Satire um. Diesen Umschwung haben diejenigen verschuldet, die ihm die Jahre seiner schönsten Hoffnungen zu einer Zeit andauernder schwerster Enttäuschungen gestalteten. Er erlebte Enttäuschungen an den Menschen. Er sah sich von den Freunden seiner Jugend verlassen, viele gaben mit der jüdischen Sache auch die Verbindung mit ihrem Vorkämpfer auf. „Viele von denen, die meine Freunde waren und mit in dem Verein für die Juden arbeiteten, sind so kalt geworden, als hätten sie von jeher nur zu der Gesellschaft der Freunde12) gehört" — ein ganzer Kreis also, in dessen Aktivität er die größten Erwartungen gesetzt hatte, versagte. Es enttäuschten ihn die jüdischen Körperschaften, die für einen Mann von seinen Fähigkeiten keine Verwendung hatten. Ein Geschlecht, das reich war an Aufgaben und arm an Menschen, das von Problemen erdrückt würde und keinen Ausweg aus ihnen wußte, das nach schöpferischen Kräften geradezu schrie und keine fand, hatte für den Mann, der seine Sorgen am tiefsten erfaßt und am ernstesten durchdacht hatte, keinen Platz, ja es hielt ihn von den Stellen, an denen er Großes leisten konnte, geflissentlich fern. Ungeachtet seiner Vielseitigkeit, seiner Aktivität und seiner Begeisterung, ungeachtet aller Beweise seines Wollens und Könnens hat er nie eine gesicherte Lebensstellung erlangt Er forderte nicht einmal ein seinen Fähigkeiten entsprechendes Amt, er hätte sich auch mit einem geringeren begnügt, wenn es ihm die Muße für wissenschaftliche Arbeit gelassen hätte; aber wo immer sich eine solche Aussicht bot, wurde sie ihm zunichte gemacht Sicher hat er die Menschen gegen sich aufgebracht; dadurch, daß er die sich aufblähende Erbärmlichkeit als solche kennzeichnete, hatte er seine Gegner, die ihn von jeder Betätigung fernhielten, in der er seine starke Persönlichkeit geltend machen konnte18). So wurde er schließlich von Ressentiments beherrscht, die sich gelegentlich in scharf zugespitzten Sätzen entluden wie „die fetten Stellen bekommen meine Schüler, ich säe, andere ernten", 2 17