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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1936-01-01 · 50.1936 · page 16

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
50.1936
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273645--2496-2276301
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Hoffnung genommen", „es dürfte vielleicht die eigentliche Arbeitslust bei mir nie wiederkehren"; „auch ich bin A. 1874 gestorben." Der alte Recke war zerschmettert, er hat den Schlag 12 Jahre überlebt, aber nie verschmerzt; der Genius Zunz vollendete sich in seinen Werken, der Mensch in seiner Trauer um Adelheid. Wenn Zunz auch nicht gern Briefe schrieb, so stand seine Feder doch nie still, und er verwahrte sorgfältig, was er geschrieben hatte. In seinem Nachlaß finden sicli — was bei einem Gelehrten von diesem Ausmaß selbstverständlich ist — unzählige Notizen wissenschaftlichen Inhalts, Auszüge aus den erforschten Quellen und der durchgesehenen Literatur, Hinweise auf spater zu verarbeitende Gedanken, Vorlagen und Ergänzungen zu seinen gedruckten Schriften, Manuskripte, die nie zum Druck gelangten, wie z. B. seine eingehenden Studien zu den Psalmen u. v. a. Aber ebenso zahlreich sind die Aufzeichnungen anderer Art, die unendlich vielen kleinen und großen Zettel in seiner zierlichen, ausdrucksvollen Handschrift, die den allcrbuntesten Inhalt haben. Offenbar bedurfte der Gelehrte dieser Ablenkung von seinen wissenschaftlichen Arbeiten und seinen wirtschaftlichen Sorgen. „Das Buch Zunz" enthält neben den Tagebuchaufzeichnungen allerlei Alphabete und Zahlenspiclercicn. Solche wunderliche Zusammenstellungen und Berechnungen liebte Zunz sein ganzes Leben lang. Noch der Fünfundachtzigjährige gefiel sich darin, die Zahl der Stünden, die seit seiner ersten Leipziger Predigt (Schemini Azcres 1S20) vergangen waren, in eine mathematische Formel zu bringen0). Daß er ein sorgfältiges Verzeichnis der von ihm gehaltenen Predigten aufstellte, Trauredeu, die er bei Hochzeiten in seiner Familie noch im späten Alter hielt, aufzeichnete, ist zu verstehen. Aber ebenso genau stellte er die nicht kurze Liste seiner Privatschüler und Konfirmanden, der Besucher seiner Sonnabendgesellschaften, der Korrespondenten seiner Gattin, aber auch die Liste seiner Hausangestellten zusammen — er lebte gern in der Erinnerung und hielt sie sorgsam fest. Den ernsten Jünger Klios im Umgang mit den leichter geschürzten Musen zu finden, setzte Ludwig Geiger so sehr in Erstaunen, daß er die Aphorismen aus der Jugendzeit nochmals zum Abdruck brachte10). Aber der Gelehrte war dieser Betätigung niemals abhold und hat „satyrische oder sonst schönwissenschaftliche und humoristische Arbeiten, wie sie der Geist ihm eingab", in Mengen verfaßt: Gedichte für Geburtstage und, andere festliche Gelegenheiten, Tischlieder, Reime und Erzählungen aller Art. Sie entsprechen einer damals weit verbreiteten Gewohnheit, 16

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