Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1936-01-01 · 50.1936 · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
50.1936
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2273546-2273645--2495-2276300
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

wenn er die bisherigen Lebensjahre der Wissenschaft zu weihen imstande gewesen", hat der Allmeister sie in dem Dank für die Glückwünsche zu seinem siebzigsten Geburtstag genannt. Ihre Briefe, von denen bisher nur wenige veröffentlicht sind, enthalten zahlreiche Mitteilungen über das, was Zunz erlebte und ihn bewegte. Selbstredend konnte sich der Gelehrte dem Briefwechsel nicht entziehen, mit zunehmender Berühmtheit wuchs die Zahl seiner Korrespondenten; soweit es sich nicht um wissenschaftlichen Gedankenaustausch handelte, empfand er diese Notwendigkeit als Last. Nur an Freunde schrieb er gern, mit wenigen ganz Intimen blieb er in ständiger Verbindung, ihnen gewährte er Einblick in sein Inneres. In erster Reihe steht da sein alter Lehrer Samuel Meyer Ahrenberg, den er wie einen Vater ehrte und liebte, dessen Audenken er in einer von treuester Dankbarkeit durchwehten Schrift7) verewigt hat. Von seiner Abreise aus Wolfenbüttel bis zu Khrenbergs Tode (1815 bis 1853) berichtet er ihm regelmäßig über sein Ergehen und sein Schaffen. Bei aller Freundschaft bleibt eine gewisse Distanz gegenüber dem „Herrn Inspektor" immer gewahrt. Hecht vertraulich, ja etwas burschikos verkehrt er mit Khrenbergs Sohn und Nachfolger Philipp (1811—1882), den er von Kindheit auf kannte, dem er (seit 1833) allerlei Gedanken über Zeitereignisse und Aufträge für die Wolfenbüttler Bibliothek anvertraut. Den ihm kongenialsten scheint er in Ehrenbergs Neffen Meyer Isler (1807—1888), dem Hamburger Schulmann und Bibliothekar, gefunden zu haben; bei diesem im Geistigen lebenden Manne setzte er tieferes Verständnis für seine Pläne und Anschauungen voraus; ihn nimmt er ebenfalls für Nachforschungen in den Bibliotheken in Anspruch, er zeichnet ihn aber vor allen durch Eingehen auf die schwebenden kulturellen Probleme aus. In späten Jahren ist er dann dem Charme David Kaufmanns erlegen. Der schwärmerische Jüngling vermochte es, den vergrämten Alten dahin zu bringen, daß er einen regelmäßigen Briefwechsel0) mit ihm aufnahm und ihm sein Herz öffnete. Damals freilich (1874—1886) hatte der Greis nicht viel mehr zu berichten als Klagen über den Verfall seiner Kräfte. „Seele und Leib sind nicht mehr gesund; Mut und Lust haben Abschied von mir genommen, nur die Schmerzen leben und der Wunsch nach Ruhe." Und dann über die zunehmende Vereinsamung, vor allem über den unverwindbaren Seelenschmerz, den Verlust seiner Adelheid. „Der Schlag, der mich getroffen, hat mir in einer einzigen Seele alle Lebensgüter, jede Freude und jede 15

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.