Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 50.1936
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Leopold Zunz zum Gedächtnis von ISMAR EL BOG EN Am 17. März 1936 kehrte zum fünfzigsten Male der Tag wieder, an dem Leopold Zunz in die Ewigkeit eingegangen ist. Der Name Leopold Zunz bedeutet einen Markstein in der jüdischen Geistesgeschichte, nach einem hingen Zeitluuf des Stillstands und des Rückschritts hat Zunz der jüdischen geistigen Arbeit einen neuen Weg gewiesen, den der wissenschaftlichen Forschung. Leopold Zunz hat noch immer nicht seinen Biographen gefunden, und auch hier kann nicht seine Lebeusgeschichte erzählt, sondern nur seine Persönlichkeit kurz gewürdigt werden. Interessante Beiträge zur Kenntnis „der wichtigsten Periode seines Lehens" (ISIS — 1S39) hat zum hundertsten Gehurlstag des Meisters S. Maybaum im Jahresbericht dieser Anstalt geliefert1), er hat als erster das eigenartige, ein Tagebuch vertretende „Buch Zunz" verwertet-). Zahlreiche Mitteilungen aus Zunz' Briefwechsel verdanken wir Ludwig Geiger3), der schließlich die Herausgabc und Bearbeitung der großen Sammlung Zunzscher Briefe an die beiden Ehrenbergs und deren Verwandten Isler unternahm, aber infolge seines unerwarteten Todes nicht veröffentlichen konnte; mit Genehmigung seiner Erben, denen an dieser Stelle herzlicher Dank ausgesprochen sei, durfte das wertvolle Manuskript für die gegenwärtige Abhandlung benutzt werden. I. ' „Aus meiner seit sechzig Jahren geführten Korrespondenz könnte ein Stückchen jüdischer Geschichte herausgearbeitet werden", so schrieb Zunz im Juli 1S75 an David Kaufmann1). Tatsachlich ist sein Nachlaß reich an Briefen, wenn auch wichtige Stücke wie x. B« die Originale der Briefe Heinrich Heines und die Briefe S. L. Rapoports fehlen. Zunz war kein Brief Schreiber großen Stils; er war viel zu sachlich und zu wenig mitteilsam, um in Briefen seine Größe zu offenbaren. „Es ist mir nicht gegeben, viel Worte zu machen"5), meinte er von sich, und seine Briefe sind so knapp und gedrungen wie seine Sprache überhaupt. Das Briefschreiben überließ er seiner Frau Adelheid6), die, wie alle gebildeten Frauen ihrer Zeit, gern und eingehend schrieb, die mit Geist und Gemüt ihre Erlebnisse schilderte, aus ihrer kleinen häuslichen Welt den Weg zur großen der Bildung fand. „Seine Stütze und Kämpferin in Freud und Leid, deren Einsicht, Edelsinn und Genügsamkeit er sich mitverschuldet fühlte, U