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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1932-01-01 · 49.1932 · page 62

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
49.1932
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 62)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273643--2469-2276273
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daß mit der Verstreuung der Juden joder festere Zusammenschluß aufhörte, aber es ist kein Zufall, daß nie ein ernstlicher Versuch gemacht wurde, eine einheitliche Organisation herzustellen, und es ist vor allen Dingen entscheidend, daß das Fehlen einer solchen Organisation die Einheit der jüdischen Gemeinschaft nie in Frage stellte. Sie erhielt sich kraft der Idee des Gottcsvolkcs, die sich, alles Haltes an einer äußeren Organisation beraubt, als der wahre Einheitsgrund der Gemeinschaft bewährte. Äußerlich in tausend Splitter gespalten, blieb sie kraft der Einheit ihrer Idee doch ein lebendiges Ganzes. Die Einheit der Idee baute sich freilich auf der natürlichen Einheil des Stamineszusammcnhanges auf. Diese natürliche Einheit grenzte die Geineinschaft nach außen hin ab und machte die Begrenzung durch eine organisatoxische Form entbehrlich. Jeder Einzelne gehörte durch Geburt der jüdischen Stammesgemeinschaft an und hatte damit an ihrem religiösen Besitz Anteil. Kraft dieser natürlichen Verbundenheit stellte sich die Einheit der Religionsgemeinde gleichsam in sichtbarer Gegebenheit dar. Aber hier so wenig wie sonst ist die bloße Stammesverbundenheit schon wirkliche Gemeinschaft. Die Summe der Individuen gleichen Blutes wird erst zu einem Ganzen, indem sie sich als solches weiß und sich als Einheit erlebt. Das ist bei den durch Stamhicszusamnvenhang verbundenen modernen Nationen nicht anders als im Judentum, aber während bei den modernen Nationen die Einheit des Nationalbewußtseins auf der Realität des geistigen und politischen Lebenszusammenhanges gegründet ist, ruht das Einheitsbewußtsein des Judentums auf dem Gedanken einer gemeinsamen Bestimmung, die von dem faktischen geistigen Zusammenhange unabhängig ist Das Ganze, dem sich der Einzelne zugehörig weiß, ist das Gesamt-Israel, dessen Einheit auch durch die tatsächliche Verbindungslosigkeit seiner Bestandteile nicht aufgehoben wird. Es ist eine Einheit, die nur im Glauben lebt und trotz der Sichtbarkeit ihrer natürlichen Grundlagen nirgends sichtbar da ist. Wie im Christentum der empirischen Realität der sichtbaren Kirche die unsichtbare zugrunde liegt, so kann man auch im Judentum von der unsichtbaren Einheit des Gesamt-Israel sprechen, welche die Tatsächlichkeit des religiösen Lebenszusammenhanges ideell fundiert. Die Verwirklichung dieses religiösen Lebenszusammenhanges zu analysieren, liegt außerhalb dieser nur der Gemeinschaftsideo des Judentums zugewandten Betrachtung. Aber die Ansatzpunkte in der 62

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