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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1932-01-01 · 49.1932 · page 59

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
49.1932
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 59)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273643--2466-2276270
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t I Judentums ist in einzigartiger Form geschichtliche Beurteilung, Messung jeder Zeit an der geschichtlichen Aufgabe der Gemeinschaft und Betrachtung ihres Schicksals von dem göttlichen Hcilsplan ans. Damit aber verbindet sich das Bewußtsein der überall gleichen, unmittelbaren Gegenwärtigkeil der Gemeinschaft von Gott und Volk. Die Bibel (Deuteron. 29, 13 f., vgl. auch 5, 2 f.) spricht das in der großartigen Wendung aus, Gott habe seinen Bund nicht mir mit den damals Anwesenden geschlossen, sondern ebenso mit denen, die nicht gegenwartig waren. Der Bundesakt, an den sich die Zukunft Israels unlöslich gebunden weiß, ist für diese Zukunft mehr als bloß die geschichtliche Grundlage. Wie er seinem Sinne nach die ganze Zukunft imispannt, ist er in ihr oder sie in ihm unmittelbar gegenwartig. Jede Zeit hat ihren besonderen Platz im Ganzen des geschichtlichen Prozesses und zugleich ist das sich geschichtlich entfaltende Verhältnis von Gott und Israel in jeder Zeit ganz und ungeteilt verwirklicht. 2. Nach alledem ist der Träger der religiösen Aufgaben, wie der jEmpfängcr des religiösen Heils durchaus die Gemeinschaft. Mit ihr ischlicßt Gott seinen Bund, und sie ist somit im ursprünglichen Sinne /das religiöse Subjekt. Daß die zu ihr gehörigen Individuen, wie in Kaller Religion, an ihren Aufgaben und Gütern Anteil haben, ändert daran selbstverständlich nichts. Aber schon in der Gesetzgebung der Tora fällt dem Einzelnen doch eine sehr selbständige Holle zu. Sehen wir selbst von ihren sittlichen Forderungen für einen Augenblick ab, so treten neben dem öffentlichen Gemeindekult die sich an den_ Einzelnen, richtenden zeremonialen und rilualcn Forderungen stark hervor. Im nachexilischen Judentum steigt ihre Bedeutung immer mehr. Nicht nur in der Diaspora, sondern auch in Palästina, wird, wenigi slens in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten, zum eigentlichen Inhalt des religiösen Lebens die individuelle Gesctzcscrfullung, neben der der Tempelkult an Bedeutung ständig verliert. So tritt schon in der äußeren Form des religiösen Lebens eine durchgreifende Verschiebung zum Individualismus hin ein. Von weitaus grundsätzlicherer Bedeutung aber ist der Sinn des religiösen Individualismus, der seit den Zeiten der Propheten in den religiösen Grundbegriffen selbst angelegt ist und allmählich zu voller Entfaltung kommt. Die.mit der GottesvorstcIIung der Propheten unlöslich verknüpften Gedanken der inneren Hingabe der Seele an Gott und der in ihr wurzelnden Gesinnungssittlichkeit stellen die . JEinzclscelc, die allein Träger der religiösen Gesinnung sein kann, Gott unmittelbar gegenüber. Das ist implizite schon in dem Gedanken der Gottesebcnbildlichkeit 59

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