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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1932-01-01 · 49.1932 · page 56

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
49.1932
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 56)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273643--2463-2276267
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auch in anderen volkhai't begrenzten Religionsgemeinschaften antreffen. Erst die Universalität des Glaubensgehaltes der jüdischen Religion schafft hier cino besondere Situation, und die christliche Theologie sieht den sich daraus ergehenden Sachverhalt so an, daß der neue religiöse Gehalt die alte Form der Rer%ionsgemeinschaft nicht zu sprengen vermocht habe und das Judentum deshalb in der Milte zwischen nationaler und universaler Religion steckengeblieben sei. Von jüdischer Seite wird dem mit Recht entgegengehalten, daß mit dem universalen Gehalt der jüdischen Religion auch der Gedanke einer universalen Bestimmung Israels verbunden ist, daß ^las Volk Israel sich seit den Tagen der Propheten als Propheten der Völker fühlt, und daß seine messianischc Zukunftshoffnung sich zu der Erwartung des alle Völker umschließenden Gottesreichs ausweitet. Diese Gedanken sind gewiß weiterer Vertiefung fähig. Es ist wichtig und lohnend, zu zeigen, daß die Idco einer national begrenzten Religionsgemeinschaft mit universaler Bestimmung nicht ein Mittelding zwischen partikularer und universaler Religion, sondern eine religiöso Bildung ganz eigenen Wesens und Sinngehaltes ist. Aber dieser Nachweis soll hier nicht geführt werden. Nicht der universale Beruf des Judentums, sondern der innere Aufbau der jüdischen Gemeinschaftsidee, der Sinn der Tatsache, daß eine Volksgemeindc in ihr einen religiösen Beruf überhaupt empfängt, soll im folgenden entwickelt werden. Der Erwählungsgedanke, in den sich seit den Tagen der Propheten die alte Vorstellung vom Bunde zwischen Israel und seinem Gotte umwandelt, besagt, daß das Volk Israel um der Gemeinschaft mit seinem Gölte vvillen da ist, daß seine Existenz einen religiösen Sinn hat, daß sein Schicksal von der Erfüllung seines religiösen Berufes abhängt. Damit treten Volkstum und Religion in ein grundsatzlich verändertes Verhältnis. Die Religion ist nicht, wie in der Antike sonst, ein Element des nationalen Gesamtlebcns, dieses Leben verliert vielmehr seine einfache Selbstverständlichkeit und wird zum Leben um der Religion willen. Wie so viele der großen religiösen Gedanken Israels ist auch dieser in der Neuzeit säkularisiert worden. Der moderne Gedanke der Nation und ihres geistigen Berufes ist nichts anderes als die säkularisierte Form dieses religiösen Gedankens der Volksbestimmung. Aber in ihrer ursprünglichen religiösen Gestalt geht diese Idee weit über den Sinn des modernen Begriffs der Nation hinaus. Es handelt sich nicht um eine Bestimmung, die ein Volk von selbst erfüllt, indem es seine geistigen Kräfte zur Entfaltung bringt, 56

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